Erzbischof Léonard kritisiert Vereinte Nationen

Erzbischof André Léonard, der Primas der katholischen Kirche in Belgien, hat während der Bischofssynode zum Thema Familien in Rom schwere Kritik gegenüber den Vereinten Nationen geäußert. Seiner Ansicht nach seien die UN-Agenturen ideologische Diktaturen, die den Kirchen Dinge vorschreiben würden, die sich gegen deren Überzeugung richteten.

Erzbischof Leonard ist der Ansicht, dass einige Agenturen der Vereinten Nationen ideologische Diktaturen seien. Verschiedene UN-Organisationen würden die Kirchen außerhalb Europas dazu verpflichten, Abtreibung oder die gleichgeschlechtliche Ehe zu akzeptieren. Dies sei aber oftmals gegen deren moralische und kulturelle Überzeugung, wie auf der französisch-sprachigen Internetseite des katholischen Kirche zu lesen ist.

Nach Ansicht von Tommy Scholtes (Foto), Sprecher der belgischen Bischofskonferenz, habe Erzbischof Léonard lediglich die Sorgen anderer weitergegeben. Scholtes gab am Donnerstagmorgen gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion zu verstehen, dass Léonard keinen eigenen Standpunkt eingenommen habe:

„Er hat die Worte afrikanischer Bischöfe wiederholt, die gesagt hatten, dass sie sich ab und zu von internationalen Organisationen, wie verschiedenen regierungsunabhängigen Einrichtungen oder der UNO unter Druck gesetzt fühlen. Die afrikanischen Bischöfe hätten gegenüber Situationen, die sie ab und zu nicht akzeptieren, auch ein Recht auf eine eigene Meinung, zum Beispiel wenn Druck in Sachen Verhütung auf sie ausgeübt wird, meint Léonard.“

Schon kurz nach Bekanntwerden der Äußerungen Léonards folgte aus Richtung des belgischen Bundesparlaments Kritik gegen den Erzbischof von Brüssel und Mechelen. Dies sei einmal mehr ein Angriff der katholischen Kirche auf Homosexuelle und auf schwangere Frauen, so die Abgeordnete der frankophonen Sozialisten PS, Karine Lalieux dazu.