Werden Syrien-Kämpfer auch an der Uni rekrutiert?

Die Mutter eines Anfang des Jahres in Richtung Syrien verschwundenen moslemischen Studenten gab am Dienstagmorgen im VRT-Frühstücksradio an, ihr Sohn sei in der Bibliothek der Freien Universität Brüssel (VUB) für den Kampf rekrutiert worden. Unterdessen fordern die Bürgermeister einiger flämischer Städte in der Frage der Syrienkämpfer aus ihren Kommunen mehr Unterstützung des Staates.
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Rund einen Monat, bevor der Student in Richtung Syrien verschwunden sei, habe er sich anders verhalten, habe andere Kleidung getragen, oft gebetet und nur noch über die Probleme in Syrien gesprochen, so die Frau, die anonym bleiben wollte, am Montagmorgen. Sie und ihr Mann hätten daraufhin die Polizei alarmiert: „Wir haben Klage eingereicht und es ist ein Verfahren eröffnet worden, doch unser Sohn konnte ohne Probleme abreisen. Als wir bei der Polizei nachfragten, wie das passieren konnte, sagte man uns: Er ist volljährig und kann tun was er will.“

Der Student, um den es hier geht, kommt aus einer moslemischen Familie, die sich als nicht radikalisiert bezeichnet. Nach Angaben der Frau radikalisierte sich ihr Sohn durch seine Kontakte in der Freien Universität Brüssel (VUB): „Er studierte in der Bibliothek der VUB und dort wurde Kontakt mit ihm aufgenommen. Alle reden immer nur von der Straße und von Parks, doch auch an der VUB gibt es sicher Kontakte. Er veränderte sich ab dem Moment, ab dem er in die VUB-Bibliothek ging.

Bei der Freien Universität Brüssel (VUB) heißt es dazu, dass man von derartigen Vorgängen nichts wisse. Da die Mutter des jungen Islamisten wünschte, gegenüber den Hörern der VRT anonym zu bleiben, wisse man bei der Uni nicht, wer der Student sein könnte. Intern versuche man jetzt herauszufinden, ob tatsächlich an den Instituten der VUB radikale Islamisten zu junge Moslems Kontakt aufnehmen.

Wie konnte das passieren?

Der junger Mann kommt nicht aus einer extremistischen islamischen Familie und studierte an der Universität. Trotzdem begab er sich in radikal-islamistische Kreise und ging nach Syrien, um zu kämpfen.

Was ist also geschehen? Seine Mutter sagte dazu folgendes: „Die Jugendlichen haben in Belgien keine positive Zukunft. Es herrscht viel Rassismus und mein Sohn glaubte, hier sowieso keine Arbeit zu finden. Ich habe versucht, ihn davon abzubringen, doch er hatte seinen Entschluss gefasst. Ich wünschte, er käme zurück, doch er sagt, dass er nicht mehr hierher kommt, denn dann wandert er sofort ins Gefängnis.“

Seine Mutter hat oft über Skype oder SMS Kontakt zu ihm, doch sie sprechen dabei nur über Alltägliches. Nicht über den Kampf in Syrien.

Bürgermeister fordern mehr Kooperation mit dem Staat

Die Bürgermeister von mehreren flämischen Städten und Gemeinden haben am Montagabend über das Problem mit den islamistischen Syrienkämpfern aus ihren Kommunen beraten. Sie trafen sich dazu in Mechelen. Die Stadtväter fordern mehr Unterstützung von Seiten des belgischen Staates, bzw. der Bundesregierung.

In erster Linie sollte die Beobachtung der islamistischen Kämpfer, die nach Belgien zurückkehren, besser gewährleistet werden. In Kürze werden sich die Bürgermeister der am häufigsten betroffenen Gemeinden in diesem Zusammenhang mit Belgiens neuem Innenminister Jan Jambon (N-VA) treffen.

Nach jüngsten Erhebungen sollen derzeit mehr als 300 Belgier nach Syrien aufgebrochen sein, um dort an der Seite von radikal-islamistischen Rebellen zu kämpfen. 87 von ihnen sind inzwischen wieder in ihre belgische Heimat zurückgekehrt. Nicht wenige aber sind auch in Syrien oder im Irak ums Leben gekommen.