Öffentlicher Nahverkehr am Tag der Großdemo

Die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB bietet den Teilnehmern der Großdemo gegen die Sparpolitik der neuen Mitte-Rechts-Regierung in Brüssel am Donnerstag günstige Fahrscheine an. Fahrten an diesem Tag aus allen Himmelsrichtungen nach Brüssel kosten am Donnerstag nur knapp die Hälfte des Normalpreises.

Die Bahn verkauft diese Fahrscheine im Rahmen ihrer Event-Angebote, wie es sie in Belgien auch für andere Großveranstaltungen gibt: Wenn die Tour de France im Land ist, beim Thronwechsel in Brüssel oder ähnliches mehr. Allerdings ruft dieses Angebot auch Unmut hervor. Bahnchef Jo Cornu muss sich deshalb z.B. Fragen der neuen belgischen Verkehrsministerin Jacqueline Galant von den frankophonen Liberalen MR gefallen lassen…

Neben Sonderzügen und Bussen sollen am Donnerstag übrigens so wenig wie möglich Autos nach Brüssel kommen. Die Behörden gehen von einem enormen Verkehrschaos aus.

Die regionalen Nahverkehrsgesellschaften MIVB/STIB in Brüssel, De Lijn in Flandern und TEC in Wallonien können nicht garantieren, dass alle ihre Fahrer am Donnerstag zum Dienst erscheinen, denn nicht wenige von ihnen sind gewerkschaftlich organisiert und wollen selbst an der Demonstration teilnehmen. Allerdings gab die Direktion der MIVB/STIB zu erkennen, das am Donnerstag jeder in Brüssel zu seinem Arbeitsplatz gelangen werde.

Sozialer Dialog

Im Zuge des „Heißen Herbstes“ der Gewerkschaften gegen die Sparpolitik der neuen belgischen Bundesregierung werden die Bälle zwischen den verschiedenen Protagonisten weiter hin und her gespielt: Auf der einen Seite die Regierungsparteien und die Arbeitgeberverbände und auf der anderen Seite die Gewerkschaften und die Oppositionsparteien. Vorwürfe allenthalben. Die sozialistische Gewerkschaft ABVV ruft inzwischen die Sozialpartner dazu auf, wieder Gespräche in Gang zu bringen.

Dazu veröffentlichte die Gewerkschaft in den beiden belgischen Wirtschaftszeitungen De Tijd und L’Echo ganzseitige Anzeigen in denen es heißt, dass Streiks und Proteste auch den Arbeitnehmervertretern kein Vergnügen bereiten würden. Solche Aktionen würden nur dann erfolgen, wenn es nicht mehr zu einem sozialen Dialog komme. Doch die Arbeitgeber schossen noch am Mittwoch zurück und forderten von den Gewerkschaften mehr Entgegenkommen.