Heißer Herbst im Anzug

Etwas früher als geplant ging am Donnerstagmorgen die Kundgebung gegen die Regierung Michel am Brüsseler Nordbahnhof los. Bei über hunderttausend Teilnehmer sprachen die Gewerkschaften von einem unerwartet großen Erfolg.

Normalerweise sollte die Protestkundgebung erst um 12 Uhr beginnen, aber aufgrund des großen Aufkommens, gingen die ersten Kundgebler bereits eine halbe Stunde früher los.

Die Boulevards und Straßen rund um den Nordbahnhof leuchteten am Donnerstag in Rot, Grün und Blau, den jeweiligen Farben der drei größten Gewerkschaften.

Zahlreiche Demonstranten sind anscheinend gar nicht erst in Brüssel gelandet, da die Bahn dem Ansturm nicht gewachsen war.

Für die Gewerkschaften handelt es sich jetzt schon um eine historische Aktion.

Laut des sozialistischen Gewerkschaftsbosses Rudy De Leeuw (ABVV) waren sogar 120000 Demonstranten auf den Beinen. "In den letzten 30 Jahren habe ich das noch nicht erlebt. ... Ein starkes Signal", so De Leeuw.

Auch der Vorsitzende der christlichen Gewerkschaft ACV, Marc Leemans, spricht von der größten nationalen Demo der vergangenen 25 Jahre.

Arbeitgeber: 1,6 Millionen Flamen arbeiten heute

Laut des flämischen Arbeitgeberverbandes VOKA läuft der Betrieb, trotz der nationalen Protestkundgebung, in fast 90 % aller Unternehmen normal. Die größten Probleme entstehen durch ausgefallene öffentliche Verkehrsmittel oder Verzögerungen bei der Lieferung.

Jo Libeer von VOKA (Foto) stellt fest, dass insbesondere Gewerkschaftsmitglieder und Delegationen des öffentlichen und Non-Profit-Sektors in Brüssel demonstrieren.

Im französischsprachigen Lüttich sind die Betriebe stärker von den Auswirkungen der Protestkundgebung betroffen. Große Privatunternehmen wie FN Herstal, Kabelwerk in Eupen und Spa Monopole liegen vollkommen still.