Luxemburgische Steuerspardeals kosten Belgien Milliarden Euros

Geheime Steuerspardeals der luxemburgischen Regierung kosten dem belgischen Staat seit Jahren Milliarden Euro Steuereinnahmen. Das geht aus einer weltweiten Untersuchung des Internationalen Konsortiums von Untersuchungsjournalisten hervor, an dem auch drei belgische Journalisten von De Tijd, Le Soir und MO* Magazine beteiligt sind.

Noch nie gab es derart konkrete Informationen über die Angebote, die das luxemburgische Steuerparadies ausländischen, vermögenden Unternehmen und Privatleuten macht, um so wenig wie möglich Steuern in ihrem Heimatland zu sparen.

Ein Datenleck spülte Informationen über Steuerdeals an die Öffentlichkeit, die das Consultingbüro Pricewaterhousecoopers im Großherzogtum u. a. seinen belgischen Großkunden bietet. Rund 340 Unternehmen haben von diesen geheimen Vereinbarungen profitiert.

Im Visier: Belgacom, Albert Frère, Spoelberch

Die Daten betreffen 37 Steuerspardeals, die Luxemburg mit 26 der reichsten belgischen Familien und Unternehmen geschlossen hat.

Vergünstigungen wurden z. B. der Familie Spoelberch (AB Inbev), dem Telekomunternehmen Belgacom und dem Financier Albert Frère (Foto), dem reichsten Belgier aller Zeiten, zugestanden. 

Einem der beteiligten Untersuchungsjournalisten zufolge sind diese Vereinbarungen vollkommen legal,  weshalb sie gerade bedenklich sind: Der luxemburgische Staat fädelt die Vereinbarungen mit ausländischen Großkonzernen und Vermögensbesitzern so ein, dass dem belgischen Staat und auch anderen Staaten Milliarden Euro an Steuergeldern durch die Lappen gehen.

Juncker noch vertretbar?

Für den frisch gebackenen EU-Kommissionsvorsitzenden Jean-Claude Juncker kommen die Informationen relativ ungünstig. Von 1995 bis 2013 war Juncker luxemburgischer Premierminister. Die meisten Vereinbarungen zwischen den luxemburgischen Banken und ihren Kunden sind zwischen 2008 und 2010 geschlossen worden. 

 

Belgischer Finanzminister vertraut "Kaimansteuer"

Der neue belgische Finanzminister Van Overtveldt (N-VA) hofft, dass die sogenannte Kaimansteuer die Steueroasen trocken legen wird. Des Weiteren plädiert der Minister für ein viel stabileres und weniger belastendes Steuersystem in Belgien. Dadurch würden Unternehmen und reiche Bürger weniger oft in Steuerparadiese ausweichen.