Über 100.000 Demonstranten gegen rechtsliberale Reformen

In der belgischen Hauptstadt haben über hunderttausend Personen gegen die rechtsliberalen Sparpläne der Bundesregierung und der flämischen Regierung demonstriert. Aber auch die flämische Landesregierung entging nicht der Kritik. Die Gewerkschaften sprechen von einer historischen Protestkundgebung.

Die belgische Bahn hat 80.000 Sonderfahrscheine für Brüssel an diesem Donnerstag verkauft.

Die Gewerkschaften haben ihre Anhänger aufgerufen, ihre Stimme in Brüssel hören zu lassen.

Die Demonstranten richten sich insbesondere gegen die Sparpläne der rechtsliberalen Bundesregierung von Charles Michel, eine Koalition aus flämischen Liberalen, Nationalisten und Christdemokraten sowie der französischsprachigen liberalen Partei MR von Charles Michel.

Die Michel-Regierung plant einen 2-%igen Indexsprung, um die Lohn- und Gehaltskosten zu dämmen. Wer arbeitslos ist, muss extra Abgaben leisten, klagen die Gewerkschaften. Und wer wohl eine Arbeit hat, muss in Zukunft länger arbeiten und darf seine Karriere weniger oft unterbrechen.

Ein weiterer Brennpunkt für die Gewerkschaften ist der Stellenabbau im öffentlichen Dienst, wo nicht nur weniger Personal beschäftigt, sondern zudem gespart werden muss.

"Soziales Blutbad" in Belgien und in Flandern

Die christliche Arbeitergewerkschaft ACV spricht von einem sozialen Blutbad auf Kosten einzig und allein der Familien. Die Vermögensbesitzer dagegen bleiben von den Sparmaßnahmen verschont.

Die Kundgebung in der Hauptstadt richtet sich auch gegen die flämische Landesregierung von Geert Bourgeois.

In Flandern erhalten die Familien in Zukunft weniger Kinderzulagen, Tageskrippen und das Unterrichtswesen von der Vorschule bis zur Universität werden teurer. Genau wie die Tarife der öffentlichen Verkehrsbetriebe und der Energieversorgung.

Bekannte Gesichter

Einer der bekanntesten Teilnehmer an der nationalen Protestkundgebung war der frischgebackene Ex-Premierminister Elio Di Rupo, diesmal jedoch in seiner Rolle als Anführer der größten Oppositionspartei, die französischsprachige Partie Socialiste.

Di Rupo wirft der neuen Regierung vor, die Sanierung auf Kosten der Arbeitnehmer und Rentner durchzuführen.