Durfte die Verstärkung nicht eingreifen?

Eine Einheit Polizisten, die einsatzbereit stand, um bei einem Ausufern der Großdemo am Donnerstag in Brüssel einzugreifen, falls dieses aus dem Ruder laufen sollte, durfte nicht ausrücken. Trotz der Tatsache, dass Kollegen am Brüsseler Hallepoort dringend um Verstärkung baten, soll Brüssels Bürgermeister Yvan Mayeur (PS) dies verhindert haben.

Nach Berichten der Tageszeitungen Het Laaste Nieuws und La Dernière Heure, die sich dabei auf verschiedene Quellen innerhalb der Polizei berufen, setzte der Brüsseler Bürgermeister auf „Deeskalation“. Doch die Aussagen einiger Polizisten gegenüber den Blättern zeigen ein anderes Bild: „Stundenlang wurden wir belagert. Es war eine regelrechte Schlacht. Der einzige Befehl, den wir bekamen, lautete „Rückzug“. Dann haben wir, trotz eines ausdrücklichen Verbots der Einsatzleitung doch Tränengas gebraucht und zwar um Schlimmeres zu verhindern.“

Verschiedenen Quellen zufolge soll Brüssels Bürgermeister Yvan Mayeur von den frankophonen Sozialisten PS den Befehl erteilt haben, während knapp 40 Minuten Beamten, die am Hallepoort unweit des Bahnhofs Süd/Midi von einigen wildgewordenen Demonstranten, allen voran Antwerpener Hafenarbeiter und anarchistische Jugendliche, bedrängt wurden, nicht zu helfen. Mayeur wollte lieber versuchen, mit den Demonstranten zu reden.

Das Resultat lautet: 124 verletzte Polizisten, von denen einige schwerverletzt in Krankenhäusern liegen. Zwei anonym bleiben wollende Polizisten (ein Inspektor der Polizei Brüssel-Hauptstadt und ein Beamter der belgischen Bundespolizei), die ihre Version der Vorgänge gegenüber den oben genannten Zeitungen äußerten, sind der Ansicht, dass dies ein Fall von unterlassener Hilfeleistung sei.

"Ich bin ein Fan von defensiver Herangehensweise"

Inzwischen hat auch Bürgermeister Mayeur auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe reagiert. Der sagte, dass er ein Fan defensiver Herangehensweise sei: „Um eine echte Schlacht zu verhindern, bei der einfache Bürger Schwierigkeiten bekommen hätten, habe ich die Polizei in der Tat darum gebeten, sich so oft wie möglich abseits zu halten. Nächstes Mal, bei der nationalen Demonstration am 15.. Dezember, werden wir wieder so handeln. Nur eines wird sich ändern: Den Zug mit den betrunkenen Leuten aus Antwerpen lasse ich nicht nach Brüssel fahren.“