Wenig besetzte Züge durch Busse ersetzen?

Ein Vorschlag der neuen belgischen Verkehrsministerin Jacqueline Galant (MR), wenig besetzte Züge durch Busse der regionalen Nahverkehrsunternehmen zu ersetzen, stößt auf wenig Gegenliebe. Nicht nur die Bahn muss sparen, sondern auch die Verkehrsgesellschaften. Und die Fahrgastverbände gehen von einem Kahlschlag im Angebot aus.

Das die liberale Verkehrsministerin Galant jetzt vorschlägt, wenig rentable Verbindungen, z.B. in dünn besiedelten ländlichen Regionen oder später am Abend durch Busse zu ersetzen, steht im Wiederspruch zum Koalitionsabkommen der neuen belgischen Mitte-Rechts-Regierung.

Nicht zuletzt hatte die Ministerin selbst noch gesagt, dass die Einsparungen bei der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB die Reisenden nicht treffen würden.

Jan Vanseveren (kl. Foto), der Sprecher des Fahrgastverbandes ZugTramBus (TTB), erinnert zudem daran, dass schon im Dezember 2012 zahlreiche Zugverbindungen gestrichen worden seien – zumeist ersatzlos. Und auch der neue Fahrplan, der Mitte Dezember 2014 im Kraft tritt, sieht schon Streichungen von Zügen früh morgens und spät abends vor, so Vanseveren.

Der Sprecher des Fahrgastverbandes geht auch zurück in die Geschichte:

„Durch die IC/IR-Fahrplan-Reform im Jahr 1984 sind viele Strecken, kleine Bahnhöfe und Verbindungen gestrichen worden. Ein Jahr später wurden auch die Busse fallen gelassen, die damals dünnbesetzte Züge ersetzten, weil die Fahrgäste diese nicht angenommen hatten.“

Nicht zuletzt kritisieren auch die regionalen belgischen Verkehrsgesellschaften den Vorschlag der MR-Verkehrsministerin.

De Lijn in Flandern gibt z.B. an, keine zusätzlichen Busse als Schienenersatz einsetzen zu können. Auch hier muss auf Drängen der Regierung, allerdings der flämischen Landesregierung, ebenfalls der Rotstift angesetzt werden. Neue Kapazitäten, um aufgelassene Bahnverbindungen aufzufangen, können hier gewiss nicht freigemacht werden.