AKO-Literaturpreis für Stefan Hertmans

„Oorlog en terpentijn“ („Der Himmel meines Großvaters”) von Stefan Hertmans erzählt die Geschichte des Großvaters des Autors während des ersten Weltkriegs in Flandern. Nach Ansicht der AKO-Jury ist Hertmans Roman der beste, der in den letzten Jahren zu diesem Thema erschienen ist. Der AKO-Literaturpreis ist mit 50.000 Euro dotiert.

Der 1951 geborene Flame Stefan Hertmans gilt als einer der wichtigsten niederländischsprachigen Autoren der Gegenwart. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Kulturpreis der Flämischen Gemeinschaft. „Der Himmel meines Großvaters“ war der große Überraschungserfolg des Buchherbstes 2013. Die Kritik nannte das Buch einen Instant-Klassiker.

Der Roman verarbeitet die Tagebücher von Urbain Martien (1891-1981), der Großvater mütterlicherseits des Schriftstellers, der im ersten Weltkrieg als pflichtbewusster Frontsoldat diente, fünf Mal fast erschossen wurde, regelmäßig ins Feldhospital musste und in den Schützengräben zum flämischen Nationalisten wurde.

Hertmans hat einen einfühlsamen, poetischen Roman konstruiert, der uns einerseits das Bild einer streng katholischen, sehr armen und harten, jedoch glücklichen Jugend um die Jahrhundertwende in der Stadt Gent, andererseits auch ein realistisches Bild der Hölle des Ersten Weltkriegs und außerdem noch eine rührende Liebesgeschichte bietet. Empfindlich wie sein Groß- und Urgroßvater, die beide leidenschaftlich Maler waren, wechselt Hertmans poetische mit realistischen Tönen und Farben ab. Und es entsteht eine Familiengeschichte, eine Kriegsgeschichte und die Geschichte der flämischen Emanzipation in einem und zwar so, dass es keinen Leser unberührt lässt.

Internationale Beachtung

Inzwischen erschien die 16. Auflage und wurden in Flandern und den Niederlanden bereits 125.000 Exemplare verkauft. Ende August veröffentlichte der Hanser-Verlag die deutsche Übersetzung „Der Himmel meines Großvaters“. Schon bald erscheinen auch die englische, französische, dänische und italienische Übersetzung.

Hertmans war bisher mit seinen intellektualistischen postmodernen Romanen, Essays und Gedichten kein besonders erfolgreicher Autor, mit Ausnahme seines 1994 erschienenen autobiographischen Romans „Nach Merelbeke“ (dt.: Nach Merelbeke).