Stillstand in der belgischen Hauptstadt

Die öffentlichen Verkehrsmittel in und um Brüssel, Flämisch- und Wallonisch Brabant liegen an diesem Montagmorgen weitestgehend still. Es ist der dritte Streiktag der Gewerkschaften nach der Ankündigung der neuen Regierung von tiefgreifenden Reformen und einschneidenden Sparmaßnahmen. Durch Brüssel fahren heute weder Züge noch Busse der Nahverkehrsgesellschaft MIVB. Auch U-Bahnen und Straßenbahnen bleiben in ihren Depots.

Die Busse der flämischen Nahverkehrsgesellschaft De Lijn fahren nur sehr vereinzelt. In Löwen wurde sogar die Luft aus den Reifen von 15 Bussen gelassen. Das sei jedoch keine Absicht gewesen, beteuern die Gewerkschaften. De Lijn will die Busse so schnell wie möglich wieder zum Fahren bringen, heißt es bei De Lijn.

Auch am Flughafen von Zaventem sind die Folgen des Streiks zu spüren. 44 Prozent der Flüge wurde gestrichen. Es handelt sich dabei um europäische Destinationen als auch um Langstreckenflüge.

Der Zugang zu Brucargo, dem Transportflughafen, ist blockiert. Wer heute das Flugzeug nehmen muss, sollte sehr früh da sein und sich vorher informieren, sagt Nathalie Van Impe von Brussels Airport.

"Schauen, welchen Status Ihr Flug hat und falls Sie dazu Fragen haben, die Fluggesellschaft kontaktieren, und Sie sollten sowieso vorsorglich nur mit Handgepäck reisen!"

Es sei nämlich nicht sicher, ob den ganzen Tag über bei der Gepäckabfertigung gearbeitet wird.

Obwohl überall arbeitswillige Personen durchgelassen werden, werde laut Gewerkschaften zudem in mehreren Unternehmen, zum Beispiel bei AB InBev in Löwen oder bei Makro in Machelen, nicht gearbeitet.

Die Gewerkschaften haben am Montagmorgen vor mehreren Firmen und öffentlichen Einrichtungen in Flämisch-Brabant Streikposten aufgestellt.

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Auch bei Audi im Brüsseler Stadtteil Vorst wird gestreikt. Hier werden am heutigen Montag keine Autos produziert. Die Streikenden betonen, dass sich ihre Aktion nicht gegen das Unternehmen Audi selbst richte, sondern gegen die Maßnahmen der Regierung, zum Beispiel gegen den Indexsprung, also gegen das Aussetzen der Anpassung der Gehälter an die Lebenshaltungskosten. Was sie jedoch am meisten ärgert ist, dass die Arbeiter länger arbeiten sollen.

"Jemand, der ab dem 14. Lebensjahr am Fließband steht und in Schichten arbeitet und der bis 60 arbeiten soll - das ist zu lang. Jemand, der 60 ist, kann nicht mehr mit einem 25-Jährigen am Fließband mithalten", erklärt Hedwin De Clercq von der sozialistischen Gewerkschaft ABVV.

Nichts geht mehr

An einigen Zufahrtstraßen nach Brüssel stehen Streikposten der Gewerkschaften. So kann man nicht mehr via Delta nach Brüssel fahren. Auch die Industrielaan und der Herman Debroux-Viadukt sind versperrt, und auf dem Brüsseler Innenring ist die Ausfahrt Anderlecht Industriegebiet nun auch geschlossen. Auf der E19 nach Brüssel ist die Ausfahrt Nivelles-Süd und auf der E429 die Abfahrt Lembeek blockiert. Außerdem sollen offenbar auch alle Industriezonen in Wallonisch-Brabant mit Blockaden bestreikt werden.

"Heute keine Klassenarbeiten"

Augrund der Streiks mussten in manchen Schulen sogar die Prüfungen abgesagt werden. So hat das Atheneum De Ring in Löwen alle Examen für heute abgeblasen oder von vornherein gar nicht erst eingeplant.

Die Direktorin Katrien Vanaisen betonte: "Wir haben keine Prüfungen geplant. Wir haben einen halben Kurstag für diejenigen organisiert, die zur Schule kommen können. Sie dürfen Fragen zu den anstehenden Prüfungen stellen. Ein Drittel der Schüler und Lehrer kommt mit den öffentlichen Nahverkehrsgesellschaften zur Schule, deshalb wäre die Durchführung von Prüfungen heute nicht sehr vernünftig gewesen.