Erzbischof Léonard geht bald in Rente

Die Katholische Kirche in Belgien steht möglicherweise vor einem Kurswechsel. Erzbischof Léonard wird dem Papst im Mai kommenden Jahres seinen Rücktritt einreichen. Dann wird Léonard 75. Das erklärte der Kirchenfürst in einem Interview mit dem Privatfernsehen VTM.

Dass Erzbischof André Léonard in wenigen Monaten seinen Rücktritt einreichen wird, ist keine Überraschung. Dass er auf keinen Fall weitermachen will, kann dagegen als Paukenschlag gewertet werden. „Ich hoffe nicht, dass mein Amt um ein paar Jahre verlängert wird”, sagte Léonard . Er will nicht Erzbischof bleiben bis ein Nachfolger gefunden wurde.

Und weiter: „Niemand auf Erden ist unentbehrlich.” Gerne würde er als einfacher Priester in einem Wallfahrtsort arbeiten, am liebsten in Frankreich. Auf keinen Fall möchte er in seinem jetzigen Erzbistum Mechelen-Brüssel wohnen bleiben.

Urkonservativ

Die Flucht nach vorn hat ihre Gründe: Die kirchliche und weltliche Anschauung von Léonard stimmt nicht mit der von Papst Franziskus überein. Der urkonservative Léonard hat bereits öfter wegen umstrittener Ansichten zu Homosexualität oder Aids für Schlagzeilen gesorgt.

Als möglicher Nachfolger für das Amt des belgischen Erzbischofs wird der progressive Antwerpener Bischof Johan Bonny genannt. Der hatte die Kirche vor kurzem zu mehr Offenheit aufgerufen – unter anderem im Umgang mit Wiederverheirateten und Homosexuellen. Auch der Lütticher Bischof Jean-Pierre Delville wird als Kandidat gehandelt.

Sollte einer der beiden das Amt antreten, dürfte ein frischer Wind durch die belgische Kirche wehen – so erwarten Experten.