"Mister Europe" Leo Tindemans verstorben

Der flämische Christdemokrat Leo Tindemans war in den siebziger Jahren der Premier zweier belgischer Regierungen. 1979 holte er bei den Europawahlen das Rekordergebnis von fast einer Million Vorzugsstimmen. Auch in Deutschland war er danach ein gern gesehener Gast in Fernseh-Talkshows.

Leo Tindemans wurde 1922 geboren. Er studiere Handels- und Wirtschaftswissenschaften, Politik und Soziologie. An der Katholischen Universität übernahm er danach eine Professur für Wirtschaftswissenschaften und soziales Recht.

Seit 1961 war er Parlamentarier und seit 1965 bis 1973 Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Edegem in der Nähe Antwerpens. Schon schnell machte Tindemans Karriere in der Politik und das zuerst als Agrarminister. In dieser Funktion schaffte er in Belgien den Vogelfang ab, was ihm damals noch viel Kritik einbrachte.

1974 und 1978 wurde Tindemans belgischer Premierminister. Belgien wurde damals von einer Wirtschaftskrise heimgesucht und steckte auch politisch in einer Dauerkrise, weil sich Flamen und Wallonen immer schlechter verstanden. Das führte am 11. Oktober 1978 zu seinem dramatischen Rücktritt.

Danach entschied sich der perfekt mehrsprachige Tindemans vorrangig für sein Europa-Engagement. Bei den Wahlen zum Europaparlament erhielt er 1979 fast eine Millionen Vorzugstimmen. Danach war er von 1979 bis 1981 auch Parteivorsitzender der flämischen Christdemokraten, der damaligen CVP, und von 1981 bis 1989 belgischer Außenminister.

Europäisches Engagement

Sein Parteifreund Herman Van Rompuy, bis vor kurzem europäischer Ratspräsident, nannte Tindemans einen der ‚Founding Fathers‘ der Europäischen Union.

Als am 8. Juli 1976 die Europäische Volkspartei gegründet wurde, wurde Tindemans zum ersten Präsidenten gewählt. Im selben Jahr erhielt er in Aachen den Karlspreis.

Er beschwor die „Schicksalsgemeinschaft Europa“ als die „stärkste Wirtschaftsmacht“ der Welt. Am 7. Oktober 1980 wurde Tindemans als Vorsitzender der EVP wiedergewählt. Von 1979 bis 1981 und 1989 bis 1999 gehörte er dem Europaparlament an.

1999 verabschiedete Tindemans sich aus der aktiven Politik.