20.000 Expats genießen Steuervorteile in Belgien

Mehr als 20.000 Führungskräfte, Forscher und Spezialisten aus dem Ausland bezahlen Dank eines fiskalen Sonderregimes kaum oder nur wenig Steuern auf ihren Lohn in Belgien und umgehen damit auch im Ausland den Fiskus. Den Belgiern selbst, die hier leben und arbeiten, werden hingegen besonders hohe Lohnsteuern abgezogen.

Um ausländischen Führungskräften und Experten einen steuerlichen Ausweg aus den hohen Lohnkosten in Belgien anzubieten, profitieren diese seit 1983 von einer besonderen Steuerordnung hierzulande. Dadurch können sie einen Großteil ihrer Kosten, die ihr Arbeitgeber für sie bezahlt - wie die für ihr Haus - steuerfrei einkassieren. Außerdem wird zumeist nur ein Tel ihres Lohns besteuert. Das schreibt die Zeitung De Standaard am heutigen Mittwoch.

"Derzeit sind 20.809 Führungskräfte in diesem System anerkannt", betont Francis Adyns, der Sprecher des Finanzministeriums. Es handele sich hierbei nicht einmal um internationale Beamte, die ebenfalls eigenen Steuerregeln unterliegen, die günstiger für sie sind als in Belgien.

Der große Gewinn für den so genannten Expat, also den in Belgien lebenden und arbeitenden Ausländer, besteht darin, dass er in Belgien, sobald er als Expat anerkannt ist, als Nicht-Einwohner geführt wird. Das Finanzamt geht jedenfalls davon aus, dass er eine enge Verbindung zu seinem Heimatland pflegt und nur vorübergehend in Belgien bleibt. Dadurch wird der Expat hier nur auf die Einkünfte besteuert, die hierzulande erarbeitet wurden und nicht auf sein weltweites Einkommen - wie das bei einem Einwohner Belgiens der Fall wäre. So wird der Expat also nur auf die Tage besteuert, die er in Belgien gearbeitet hat. Der Lohn, den er für die Tage bekommt, die er auf Geschäftsreise ist, wird nirgends besteuert.

Belgien teile der Heimat der Expats auch nicht mit, dass diese hier als Nicht-Einwohner betrachtet werden.

"Dadurch fallen die Expats fiskal überall durch die Maschen des Netzes", wird der Anwalt für Steuern, Luc Vanheeswijck in De Standaard zitiert. 

Normalerweise sei ein Steuerpflichtiger immer irgendwo fiskaler Reichseinwohner. Aber den Expats gelinge es Dank dieses Systems nirgends steuerpflichtig zu sein. Wenn sie sich ein bisschen organisierten, gelänge es ihnen, nur auf das bisschen Lohn Steuern zu zahlen, das mit den Arbeitstagen in Belgien übereinstimme.

Der Rechnungshof veröffentlichte schon 2003 einen sehr kritischen Bericht über dieses System. Es weist darauf hin, dass viele Expats mehr als 25 Jahr hier blieben oder sogar ihre ganze Karriere hierzulande verbrächten und nicht nur vorübergehend in Belgien  arbeiteten.