Tihange 1: Längere Laufzeit kostet den Staat viel Geld

Der Vertrag zwischen der belgischen Bundesregierung und dem Kraftwerksbetreiber Electrabel bzw. dessen Mutterkonzern EDF zur Laufzeitverlängerung des Atommeilers Tihange 1 im gleichnamigen Kernkraftwerk in Huy bei Lüttich kostet den Steuerzahler Geld - unter Umständen viel Geld.

Im Laufe des vergangenen Jahres ging in Belgien die Angst vor Stromknappheit in diesem Winter um. Zwei Atommeiler - jeweils einer in Tihange und einer in Doel bei Antwerpen - wurden vom Netz genommen, weil deren stählerne Ummantelung Haarrisse aufwiesen und ein weiterer Meiler, ebenfalls in Doel, musste nach einem Sabotageakt auf ein Schmiersystem einer Turbine abgeschaltet werden.

Im Zuge dessen schloss die belgische Bundesregierung im Oktober 2014 einen Vertrag mit Kraftwerksbetreiber Electrabel, bzw. mit dessen französischem Mutterkonzern EDF ab, um den Meiler Tihange 1 länger am Netz zu lassen. Das beinhaltet eine Laufzeitverlängerung um 10 Jahre. Doch dieser Schritt wird teuer, weil dieser Vertrag Electrabel einen Mindestabnahmepreis von 41,80 € pro Megawattstunde Strom garantiert.

Im Gegenzug verpflichtete sich Electrabel, zur längeren Nutzung der Anlage 600 Mio. € in eine Renovierung, bzw. in eine Sicherung des Meilers zu investieren. Mittlerweile erweist sich, dass dieser Vertrag für die belgische Mitte-Rechts-Regierung ein schlechtes Geschäft ist und damit nicht zuletzt auch für den Steuerzahler.

Durch die allgemein sinkenden Energiekosten fällt auch der Preis für eine Megawattstunde Strom unter die von der Regierung und Electrabel vereinbarte Mindestabnahmemarke von 41,80 €. Seit Jahresbeginn muss der belgische Staat dem Stromproduzenten dadurch bereits 144.000 € überweisen. Fachleute rechnen kurz- bis mittelfristig mit weiteren Preissenkungen bei der Energie in Belgien – zum Nachteil des belgischen Staates.

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