Belgiens Zeitungen reagieren mit Cartoons

Die Tageszeitungen in Belgien reagieren auf den Terroranschlag auf die Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo mit Cartoons, die sie unter einander austauschten. In den Kommentaren und Kolumnen heißt es auch: „Wir müssen weiter lachen.“ Das Lachen kann einem aber im Halse stecken bleiben, wenn ein Kommentator glaubt: „Das war 9/11 für die Pressefreiheit.“

Het Nieuwsblad öffnet mit einem Cartoon, das einen bärtigen Mann zeigt, der sich die Hände vors Gesicht hält und sagt: „Ich kann mich nirgendwo mehr sehen lassen.“ Das Blatt titelt: „Schwarzer Tag für den Propheten“. Im Kommentar von Het Nieuwsblad heißt es: „Bis hierhin und nicht weiter. (…) George Orwell wusste es schon: ‚Wenn Freiheit etwas bedeutet, dann ist es wohl das Recht den Leuten zu erzählen, was sie nicht hören wollen.‘ Was Extremisten offenbar nicht hören wollen ist Satire und Humor, was Sicherheiten unterminiert und Mythen aushöhlt.“

Het Belang Van Limburg bringt auf Seite 1 gleich mehrere Cartoons, die an diesem Donnerstag in allen Tageszeitungen Belgiens erscheinen. Gleichzeitig macht sich das Blatt Sorgen darüber, dass über die vielen Jugendliche mit Migrationshintergrund aus der Provinz Limburg: „Viele dieser Jugendlichen sind der Ansicht, dass Witze über Allah zu machen ein Beweis der Feindlichkeit unserer Gesellschaft ihnen gegenüber darstellt. Sie leben in einer Welt, in der sie ständig mit einem Wir-gegen-sie-Diskurs konfrontiert werden.“

Das Wirtschaftsblatt De Tijd und Gazet Van Antwerpen öffnen mit den Worten: „Je suis Charlie“ und „Ik ben Charlie“. Gazet ist der Ansicht, dass es sich bei dem Vorgang in Paris am Mittwoch um einen „historischen Anschlag“ handelt, der eine Reaktion fordert: „Auch wenn sich eine Gesellschaft nur schwerlich gegen die jüngsten Guerilla-Aktionen, wie die in Paris, in Australien, in Kanada oder gegen das Jüdische Museum in Brüssel wappnen kann; gegen diese neue Taktik extremistischer Organisationen müssen neue Waffen entwickelt werden.“

De Standaard bringt ein Cartoon, das Charlie Hebdo nach einem Anschlag auf die Redaktion 2011 veröffentlichte. Die Zeichnung zeigt zwei Männer, die sich küssen. Einer ist ein Moslem und der andere ein Charlie Hebdo-Redakteur. Der Untertitel lautet: „Liebe ist stärker als Hass“. Man müsse genauestens untersuchen, warum sich dieser Kampf nach Europa bewegt, heißt es im Kommentar: „Wir müssen den Mut haben, auf die Benachteiligung zu schauen, auf das Ausschließen und wir müssen das Gefühl der Missachtung ernst nehmen, das eine so große Rolle bei der Radikalisierung spielt.“

Le Soir spricht von einem Massaker an 12 Personen - Journalisten und Polizisten - und von Horror und Barbarei: „Diese Attacke ist in seiner Tragweite genau so bedeutend, wie die, die New York am 11. September 2001 getroffen hat. Morgen, in einer Woche, in einem Monat werden andere Terroristen zuschlagen. Im Namen eines Gottes, eines Propheten, dessen Message sie verdrehen.“

De Morgen warnt davor, selbst intolerant zu werden, fundamentalistischer in unseren Ansichten, ängstig, anfällig für autoritäre Denkbilder, mehr bereit zu sein, unsere demokratischen Rechte aus Sicherheitsüberlegungen aufzugeben: „denn dann haben diese Terroristen gewonnen, denn dann würden wir die gleichen werden, wie sie.“

In der deutschsprachigen Tageszeitung Grenzecho heißt es, dass nicht die ‚Verteidigung des Propheten‘ die Terroristen habe zubeißen lassen: „Kein Prophet ist darauf angewiesen, dass Gläubige in seinem Namen Ungläubige schlachten. Es war blanker Hass, der hier das Schwert führte - der Mensch von seiner unvollkommenen Seite, verblendet und wütend, ganz sicher nicht gerecht, ganz sicher nicht heilig.“