Charlie Hebdo berührt Belgien weiter

Auch im Laufe des Donnerstags sorgte der mörderische Anschlag auf die Redaktion des französischen Satireblatts Charlie Hebdo weiter für Reaktionen, Gedenken und Solidaritätsbekundungen. Politik und Gesellschaft, Kultur und Religionen - von überall her kamen Zeichen des Gedenkens.

Am Donnerstag verurteilten die Abgeordneten aller Parteien in der Ersten Kammer des belgischen Bundesparlaments einstimmig diesen Anschlag auf die freie Meinungsäußerung. Für die Politik in Belgien bleiben die Presse- und die Meinungsfreiheit die wichtigsten Säulen unserer Demokratie. Aber, die Politik warnt auch davor, auf Extremismus mit Extremismus zu reagieren.

Dieser Ansicht ist auch die Moslemexekutive in Belgien (EMB), die den Anschlag von Paris auf das Schärfste verurteilte. Dort hieß es, dass jeder Anschlag auf das Leben und auf die freie Meinungsäußerung ein „Anschlag auf die Pfeiler unserer Demokratie“ sei. Die Moslemexekutive rief alle in Belgien aktive Imame, Vertreter von Moscheen und islamische Religionslehrer dazu auf, diese und alle anderen Arten von Gewalt zu verurteilen und einen Diskurs zu Themen wie Frieden, Respekt und demokratischen Werten mit den Gläubigen zu führen.

"Die Gedanken sind frei"

Der Glockenspieler von Löwen, Luc Rombouts, fand eine sehr rührende Möglichkeit, auf den Anschlag gegen Charlie Hebdo zu reagieren. Er spielte am Donnerstagabend im Glockenturm der Universität am Ladeuzeplein das Lied „Die Gedanken sind frei“, ein deutsches Lied aus dem 19. Jahrhundert, dass sich mit der freien Meinungsäußerung beschäftigt. Oft wird dieses Lied bei Demonstrationen gegen politische Repression und Zensur angestimmt.

In Antwerpen trafen sich am Donnerstagabend hunderte Menschen vor der Comic-Mauer des flämischen Zeichners Brecht Evens, um eine stille Mahnwache für die Opfer des Anschlags gegen Charlie Hebdo zu halten.

Unter den Teilnehmern waren auch viele Antwerpener Politiker, wie Bürgermeister Bart De Wever (N-VA), Peter Mertens (PVDA), Claude Marinower (Open Vld), Annemie Turtelboom (Open Vld), Philip Heylen (CD&V), Tom Van Grieken (Vlaams Belang) und Yasmine Kherbache (sp.a). Viele der dort trauernden hielten symbolisch Bleistifte in ihren Händen.

Nach gut einer Viertelstunde beklemmende Ruhe brach der Ruf „Vive Charlie Hebdo!“ die Stille und jemand rief „Und jetzt bloß nicht aufhören zu lachen!“, worauf Gelächter und Applaus ausbrach…

"Das sind unsere Skinheads"

Dyjab Abou Jahjah, der umstrittene Gründer der Antwerpener Bürgerrechtsbewegung ‚Movement X‘, sagte gegen über dem VRT-Sender Radio 1, dass man gewusst habe, dass es solche Anschläge geben werde, „doch das passierte früher, als ich gedacht habe“. Jahjah ist davon überzeugt, dass weitere solche Attentate folgen werden: „Wir können hier von islamistischen Rechtsextremen sprechen. Das sind unsere Skinheads“.

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