Pannenzüge: Bahn verlangt von Siemens 60 Mio. €

Die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB kaufte vor einigen Jahren beim deutschen Schienenfahrzeug-Hersteller Siemens 305 Desiro-Züge zum Preis von 1,2 Mia. €. Doch trotz mehrerer Updates durch den Hersteller werden diese Züge ihre Kinderkrankheiten nicht los. Jetzt verlangt die Bahn 60 Mio. € Schadensersatz von Siemens.

„Trotz eines Korrekturprogramms mit 80 Punkten erreichen diese Züge noch immer nicht das verlangte Maß an Zuverlässigkeit“, sagte Belgiens Verkehrsministerin Jacqueline Galant (MR) zum Desiro-Problem zwischen der Staatsbahn NMBS/SNCB und dem deutschen Schienenfahrzeug-Hersteller Siemens. Die Probleme bei den Desiro-Zügen sind nicht neu. Vor einiger Zeit wetterte Bahnchef Jo Cornu bereits über die Pannenfreudigkeit der dreiteiligen Triebwagen: „Würden sie sich freuen, wenn ihr Auto alle 8.000 km in Panne fällt?“

Die Tatsache, dass die 305 Desiro-Züge immer wieder Defekt sind, berührt einen wunden Punkt bei der Eisenbahn in Belgien: Die Pünktlichkeit der Züge. Die Desiros ersetzten viele veraltete Züge und sind mittlerweile überall auf dem belgischen Gleisnetz im Einsatz. Folglich treten landesweit Pünktlichkeitsprobleme durch Desiro-Pannen auf und die Pendler regen sich weiter auf.

Jetzt sei Schluss damit, so Bahnchef Cornu. Die NMBS/SNCB fordert 60 Mio. € Schadensersatz für die nicht enden wollende Pannenserie bei den neuen Zügen. Diese Summe steht übrigens im Kaufvertrag, den die Bahn mit Siemens abgeschlossen hatte. Bahnsprecher Bart Crols fasste dies in einer Pressemitteilung kurz und schmerzlos zusammen: „Wenn die Züge zu viele defekte haben, dann muss der Hersteller eine Strafzahlung leisten.“

Die häufigsten Probleme bei den Desiro-Zügen sind die automatischen Türöffnungs- und Schließsysteme, defekte Sicherheits- und Bremsanlagen und Mängel bei den Kupplungen, wenn zwei Desiro-Triebwageneinheiten mit einander verbunden werden sollen. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die endlos vielen kleinen Problemchen mit der Elektronik (Zuganzeigen, Beleuchtung der Abteile usw.). Die ständigen Probleme mit dem Desiro erhöhen den bahninternen Haushalt für den Unterhalt von Nahverkehrszügen deutlich.