Urteilsverkündung im Sharia-Prozess verschoben

Die Urteilsverkündung im Verfahren gegen mehrere Mitglieder der inzwischen in Belgien verbotenen radikal-islamistischen Organisation Sharia4Belgium ist um einen Monat verschoben worden, wie der Anwalt des Hauptangeklagten Fouad Belkacem bekannt gab.
Nicolas Maeterlinck

In diesem Terrorismusprozess in Antwerpen stehen insgesamt 46 Personen vor Gericht, u.a. wegen der Verbreitung von Hasspropaganda und wegen der Rekrutierung von jugendlichen Moslems für den „Heiligen Krieg“ im Irak und in Syrien. Für den Hauptangeklagten in diesem Prozess, Fouad Belkacem, fordert die Anklage die in diesem Fall mögliche Höchststrafe von 15 Jahren Gefängnis. Für die meisten anderen Angeklagten werden 5 Jahre Haft gefordert.

Das Verfahren wurde am 10. Dezember 2014 abgeschlossen. Eigentlich sollte Gericht bis zum 14. Januar 2015 ein Urteil gefunden haben. Doch offenbar braucht das Gericht im bislang größten Terrorismusprozess, der je Belgien stattgefunden hat mehr Zeit. Die Vertagung der Urteilsverkündung habe nichts mit dem blutigen Attentat auf die Redaktion der satirischen Zeitschrift Charlie Hebdo vor zwei Tagen in Paris zu tun, wie aus Justizkreisen zu erfahren war.

Jejoen Bontinck bleibt in der Zelle

Unter den Angeklagten ist auch der aus Syrien zurückgekehrte Antwerpener Jugendliche Jejoen Bontinck, der sich vor Jahren zum Islam bekehren ließ. Bontinck wurde vor Kurzem verhaftet, weil er gegen die Auflagen seiner vorläufigen Freilassung verstoßen hatte. Der junge Mann fiel auf, als er in die Türkei ausreisen wollte, um sich dort mit seiner Freundin "zu erholen".

Zum einen vermutete die belgische Justiz, dass er wieder in den „Heiligen Krieg“ ziehen wollte - viele Islamisten reisen über die Türkei nach Syrien - und zum anderen sprach die Justiz gegen den jungen Mann ein Kontaktverbot zu dessen Lebensgefährtin aus. Nicht zuletzt muss sich ein Angeklagter im Laufe eines Prozesses ständig zur Verfügung der Justiz halten und darf das Land nicht verlassen.

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