In Tongeren begann der Hells Angels-Prozess

In Tongeren in der flämischen Provinz Limburg begann an diesem Monat der Prozess gegen ein 40 Jahre altes Mitglied des Rockerclubs Hells Angels. Ihm wird der Mord an zwei Mitgliedern und einem Sympathisanten der rivalisierenden Motorradbande Outlaws vorgeworfen. Der Prozess findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt.

Das Gerichtsgebäude der beschaulichen limburgischen Stadt Tongeren, die älteste Stadt Belgiens, gleicht in diesen Tagen einer regelrechten Festung. Der Prozess gegen einen Hells Angel, der Outlaws umgebracht haben soll, ist denn auch kein Zuckerschlecken.

Beide Motorradclubs sind dafür bekannt, nicht gerade zimperlich miteinander umzugehen und wenn es um die Ermordung von Clubmitgliedern durch ein Mitglied einer rivalisierenden Bande geht, werden auch nicht gerade Sympathiebekundungen über das Poesiealbum ausgetauscht.

Bei solchen Motorradclubs herrscht auch eine Omerta, eine Schweigepflicht, und wer dagegen verstößt, dem ergeht es schlecht. Am 26. Januar soll zum Beispiel der Kronzeuge in diesem Verfahren aussagen. Er - der den Angerklagten schwer belastet - und seine Familie haben ein neues Leben in einem Zeugenschutzprogramm begonnen.

Insgesamt sollen 177 Zeugen in diesem Prozess aussagen. Die Frage ist, wer sich davon wirklich traut, gegen ein Mitglied der Hells Angens auszusagen.

Das Verfahren begann denn auch unter enormen Sicherheitsvorkehrungen, denn die Behörden gehen davon aus, dass die beiden Clubs noch stets auf Kriegsfuß stehen. Jeder, der in den Gerichtssaal wollte, wurde durchsucht und gefilmt und die Rocker wurden gebeten, ihre Kutten (auch „Colors“ genannt) auszuziehen, was einige davon abhielt, dem Prozess beiwohnen zu wollen. Ohnehin lässt das Gericht nur drei Hells Angels und drei Outlaws pro Prozesstag im Saal zu.

Am Anfang des Verfahrens ging es um verschiedene Verfahrensprozeduren und um das Ersetzen eines der Geschworenen. Dieser wollte von seiner Aufgabe entbunden werden, denn er ist Koch in einem Restaurant und befürchtet, dass sein Arbeitgeber unter seiner Teilnahme an diesem Verfahren leiden werde.

Niemand der Beteiligten hatte etwas dagegen, den Mann durch einen Ersatzkandidaten zu ersetzen, doch dieser musste sich bevor er gehen durfte eine Standpauke des Richters bezüglich seiner Bürgerpflicht anhören. Schon am Montagvormittag wurde das Verfahren auf den nächsten Morgen verlegt, da einer der Anwälte des Angeklagten Verfahrensfehler ins Spiel brachte, deren juristische Tragweite geklärt werden müssen.

Foto Kurt bvba

Worum geht es in diesem Prozess?

Im Mai 2011 wurden drei von Kugeln durchsiebte Leichen in einem Auto am Ufer der Zuid-Willemsvaart in Eisden (Prov. Limburg) entdeckt (Foto). Bei den Toten handelte es sich um zwei Mitglieder der Rockerbande Outlaws und um einen Sympathisanten der Motorradgang.

Kurz vor dem Vorfall waren die drei Outlaws bei einem Reifenhändler in Maasmechelen (ebenfalls Prov. Limburg) aufgetaucht und zwar just zu dem Zeitpunkt, als der Betreiber des Ladens, ein Kumpel der Hells Angels, für diese Motorradclique eine Feier organisierte.

Es kam zu verbalen Attacken, die offenbar in eine Schießerei mündeten. In erster Instanz wurden drei Verdächtige, allesamt Mitglieder der Hells Angels, in Untersuchungshaft genommen. Einer von ihnen wurde im September 2012 freigelassen und ein weiterer starb in seiner Zelle an einer Krankheit.