Ein Liter Diesel kostet jetzt weniger als 1 €

Einige Tankstellen in Belgien haben bereits den Anfang gemacht und boten am Dienstagmorgen einen Liter Dieselkraftstoff für 0,999 € an. Seit rund fünf Jahren war der Dieselpreis nicht mehr unter der 1 €-Marke gesackt. Der Grund? Der Preis für Rohöl sinkt weiter und sackte unter die 50 Dollar-Marke. Sinkende Einfuhrpreise für Ölprodukte könnten in Belgien für ein leichtes Wirtschaftswachstum sorgen.

Viele Autofahrer hatten die Preisschilder an jenen Tankstellen entdeckt, die bereits am Dienstagmorgen einen Liter Diesel für weniger als 1 € anboten. Nicht wenige fuhren spontan diese Tankstellen an und tankten voll - man kann ja nie wissen… 0,999 € für einen Liter Diesel, das hat es in Belgien seit 2010 nicht mehr gegeben. Doch nicht alle Tankstellen machten am Dienstag sofort mit. Die meisten Tankstellen verkaufen ihren Dieselkraftstoff wohl so lange wie möglich für knapp über 1 € pro Liter.

Derweil sinken die Preise für Rohöl an den internationalen Märkten weiter. Der Preis für ein Barrel Nordseeöl sackte am Montag unter 47 Dollar. Das ist eine gute Nachricht für die Länder, die Ölprodukte einführen, z.B. für Belgien. Volkswirt Guy Lerminiaux vom Finanzdienstleister Petercam geht davon aus, dass die belgische Wirtschaft dadurch um ein halben Prozent wachsen kann, wie er gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion bemerkte:

„Man kann davon ausgehen, dass ein durchschnittlicher Haushalt dadurch 500 bis 1.000 € auf Jahresbasis einsparen kann. Wenn man das mal 4 Mio. Haushalte multipliziert, dann kommt dabei eine gigantische Summe heraus, die in etwa 1 % des Brutto-Nationalprodukts (BNP) entspricht. Das ist dann doch Geld, dass in Belgien ausgegeben werden kann. Davor wurde dieses Geld an die Öl fördernden Länder überwiesen, zu den reichen Scheichs oder zu den Ölreserven in Norwegen. Die legten das an und gaben es nicht aus. Jetzt wird es ausgegeben.“

Billiger Diesel? Verbrauchersteuer rauf!

Der flämische Umweltverband Bond Beter Leefmilieu (BBL) fordert angesichts der historisch niedrigen Preise für Dieselkraftstoff an den Tankstellen, dass die Verbrauchersteuer auf Diesel um 20 Eurocent pro Liter gesteigert werden soll. Damit würden Diesel und Benzin gleichermaßen steuerlich belastet und Autofahrer oder -käufer würden vielleicht eher einen Benziner erwerben, als einen umweltschädlicheren Dieselwagen.

Die Preise für Öl und Diesel seien historisch niedrig. Das sei der ideale Moment für eine solche Erhöhung, so Mathias Bienstman vom BBL am Dienstagnachmittag gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion: „Die niedrigen Ölpreise sind gut für die Kaufkraft der Haushalte in Belgien und dass wollen wir niemandem wegnehmen. Was wir hingegen vorschlagen, ist eine Verschiebung einer Steuer, also eine leichte Erhöhung der Verbrauchersteuer auf Diesel, die mit einer Senkung der Lohnkosten einhergehen soll. Damit haben die Arbeitnehmer mehr Lohn im Monat.“

Bienstman sieht den Vorteil bei den Verbrauchern im Vorschlag seiner Organisation und man tue gleichzeitig etwas gegen die Umweltverschmutzung, weil auf Dauer weniger Diesel verkauft und verbraucht würde. Die belgische Bundesregierung plant ihrerseits eine Erhöhung der Verbrauchersteuer, in Belgien auch Akzisen genannt, für Diesel ab 2016 um einige Eurocent, doch der BBL ist der Ansicht, dass es etwas mehr und etwas früher sein dürfe.

BELGA/VANLATHEM