Industrieverband fordert Mobilitätsplan für Brüssel

Der belgische Industrieverband Agoria fordert von den politischen Instanzen einen Mobilitätsplan für die Hauptstadt Brüssel. Eine Umfrage unter 100 Agoria angeschlossenen Unternehmen ergab, dass diese kaum noch Mitarbeiter finden, die bereit dazu sind, täglich nach Brüssel zur Arbeit zu pendeln.

Viele der Arbeitnehmer der rund 100 befragten Brüsseler Unternehmen, die dem belgischen Industrie- und Technologieverband Agoria angeschlossen sind, gaben an, dass die Zeit, die sie täglich aufwenden müssen, um in der belgischen Hauptstadt zum Arbeitsplatz zu gelangen, im Laufe von nur zwei Jahren Zeit um ein Viertel angestiegen ist.

Einer gab sogar an, dass er seit sechs Jahren täglich zwischen Bornem bei Mechelen und dem Brüsseler Stadtteil Evere hin- und herpendelt. Das dauere heute doppelt so lange, wie zur Anfangszeit.

Viele Industrie- und Technologieunternehmen haben sich am Brüsseler Rand oder in der Gegend um den Kanal niedergelassen, doch diese Gebiete in der belgischen Hauptstadt sind heute nicht mehr gut zu erreichen - weder mit dem öffentlichen Nahverkehr, noch mit dem Auto.

Floriane de Kerckhove von Agoria Brüssel gab gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion zu verstehen, dass dies nicht mehr lange tragbar sei: „Die Fertigstellung des Brüsseler S-Bahn-Netzes wir immer wieder hinausgezögert. Das muss zu einer absoluten Priorität werden. Und auch die Erweiterung der Metro müsste bevorzugt werden.“

Die Arbeitgeber in und um Brüssel sind zu vielem bereit, um Mitarbeiter zu motivieren, für sie zu arbeiten. Darum halten sie nichts davon, im Zuge ihrer Forderungen auf die Vergabe von Dienstwagen zu verzichten. Diese seien derzeit bitter nötig als Kompensation für die hier geltenden hohen Lohnneben- und Arbeitskosten.

Doch für automatisch anzupassende Verkehrsbeschilderungen und für die „Grüne Welle“ bei den Ampeln der Metropole haben sie viel übrig. Doch für Agoria liegt die Priorität bei einem brauchbaren öffentlichen Nahverkehr mit Bussen und Bahnen, die den Bedürfnissen der Pendler wirklich entsprechen.
 

© Reporters / Michel Gouverneur