Flandern: 1 von 5 Jobs im Autosektor in Gefahr

Sollte sich der Auto- und Kfz-Sektor in Flandern in den kommenden Jahren nicht umorientieren, geht voraussichtlich 20 Prozent der Jobs verloren. Davor warnt Luc De Moor, Manager bei Educam, dem Ausbildungszentrum des Automobilsektors und verwandten Sektoren.

Wenn sich der Sektor nicht bald an die veränderten Verkehrsnöte anpasse, würden das andere übernehmen, heißt es bei Educam am Donnerstag vor dem Hintergrund der Automesse in Brüssel.

De Moor zufolge müsse der Sektor endlich begreifen, dass nicht mehr das Auto die Antwort auf die Verkehrsnöte der kommenden Generationen sei. "Kfz-Häuser müssen sich in 'mobility providers' (Mobilitätsanbieter, Red.!) verwandeln. Die Jugend von heute setzt Mobilität nicht mehr mit dem Besitz eines Autos gleich."

Autos haben sich außerdem zu fahrenden Smartphones entwickelt. Das birgt enorme Möglichkeiten beim Dienstleistungsangebot. Die Autowerkstätten entwickeln sich zu einer Art Kontrollraum. Und das umso mehr, als dass die neuen hochtechnologischen Autos immer weniger Unterhalt und Reparaturen erfordern. "Hartnäckig allein am Auto festzuhalten, ist ein Fehler", warnt De Moor. "Kodak hat den gleichen Fehler gemacht. Das Unternehmen dachte, dass Menschen weiterhin Fotos wollten. Das war falsch. Menschen wollen Momente und Gefühle für die Nachwelt festhalten. Das ist ihr Ziel. Die Art und Weise, wie sie das machen ist weniger wichtig."

Der Autosektor habe sich in den vergangenen Jahren zudem stets mehr ans Internet anpassen müssen. "95 Prozent der Autokäufer informiert sich vorab über das Internet. Hatte ein Käufer 2008 noch durchschnittlich 4,3 Showroom-Besuche nötig, bevor er sich ein Auto kaufte, waren es 2012 nur noch 1,3. Der Autoverkäufer hat also nur noch eine Chance, um ein Auto zu verkaufen, denn potenzielle Käufer kommen nicht zurück."

Um Händler zu unterstützen, hat Educam einen Plan, "Route 2020", erstellt. Die Botschaft von Educam an die Kfz-Häuser heißt deshalb, nicht abwarten, sondern proaktiv nach richtigen Strategien für die Zukunft suchen. "Wir müssen nicht drumherum reden: Es wird ein Kampf fürs Leben. Der Stärkste überlebt."