EZB kauft Anleihen: Das gefällt Belgien nicht

Die Europäische Zentralbank wird mehr als 1.000 Milliarden Euro in die Wirtschaft pumpen. Auf diese Weise will sie die niedrige Inflation und das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Konkret wird die EZB ab März für monatlich 60 Milliarden Euro Anleihen kaufen. Bis September 2016 werden somit 1.140 Milliarden Euro in Umlauf gebracht. Das soll der Wirtschaft helfen. Belgien gefällt diese Entscheidung offenbar gar nicht, denn Finanzminister Van Overtveldt (großes Foto) macht sich vor allem Sorgen um unser Gespartes, dessen Volumen in Belgien beachtlich groß ist.

Das Problem ist, dass die Wirtschaft in der Eurozone nachlässt. Es gibt fast kein Wirtschaftswachstum, die Menschen verschieben größere Anschaffungen. Die EZB senkte die Zinsen auf fast Null, aber das hat nicht zu mehr Investitionen geführt.

Die letzte Rettung scheint zu sein, zusätliches Geld in die Wirtschaft zu pumpen.

Das funktioniert folgendermaßen: Die EZB wird Staatsanleihen von Banken, Versicherern und Pensionskassen aufkaufen. Diese bekommen dafür viel Bargeld. Man hofft, dass das Bargeld dann in die Wirtschaft fließt, zu den Unternehmen und Familien.

Es ist das erste Mal, dass die EZB das macht. In Amerika, dem Vereinigten Königreich und Japan haben die Zentralbanken in den vergangenen Jahren bereits reichlich Geld hinzugepumpt.

In Deutschland war schon vor der Entscheidung des EZB-Chefs Mario Draghi (kleines Foto) Kritik zu hören. Die EZB läuft Gefahr, Verluste zu machen. Länder wie Italien und Spanien könnten sich als Folge der Maßnahme zu billig Geld leihen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel befürchtet, dass dann der Druck weg ist, um die notwendigen Reformen ihrer Wirtschaft durchzuführen.

Nichts unternehmen, ist keine Lösung, aber die heutige Entscheidung wird von einigen Fachleuten kritisiert, auch in Belgien. Der belgische Finanzminister Johan Van Overtveldt macht sich vor allem Sorgen um unser Gespartes. Er rechnet damit, dass die Zinsen auf Ersparnisse aufgrund des zusätzlichen Geldes, das die EZB in die europäische Wirtschaft pumpen will, noch weiter sinken werden.

Vor der Entscheidung am heutigen Donnerstag sagte der belgische Finanzminister dem VRT-Fernsehen: "Das kann ja nur Folgen auf die Zinsen der Ersparnisse haben. Die sind schon niedrig und deshalb muss man befürchten, dass diese Art des bevorstehenden Eingriffs eine negative Auswirkung auf die reelle Kaufkraft hat. Die Kaufkraft wird wiedrum durch das Sparvolumen dargestellt, das in Belgien sehr beachtlich ist."

Auf die Frage, ob das nicht eine Ermutigung der Sparer sei, ihr Gespartes in Dinge zu investieren, die rentabler sind und gleichzeitig gut für die Wirtschaft, antwortete der Minister: "Theoretisch sollte das so sein, aber dann muss ich zurück auf den Punkt des Vertrauens kommen. Man wird nicht oder nur ungenügend investieren, wenn das Vertrauen nicht größer wird."

"Und ich denke, dass wir in der heutigen Situation in Europa nur strukturell mehr Vertrauen bekommen können, durch Wirtschaftsreformen und in dem wir dafür sorgen, dass die Haushalte ausgeglichen sind und dass die Menschen den öffentlichen Finanzen wieder trauen können."

AP2014