Syrienheimkehrer: "Jeder Dritte ist gefährlich"

Nach Ansicht von Jaak Raes (Foto), dem Leiter der belgischen Staatssicherheit, ist jeder Dritte Syrienheimkehrer gefährlich. Raes empfahl gegenüber der flämischen Tageszeitung de Standaard, eine Internet-Offensive gegen die Radikalisierung von moslemischen Jugendlichen zu starten. Viele der jungen Laute aus Belgien, die in den „Heiligen Krieg“ ziehen, werden online rekrutiert.

Jaak Raes sagte gegenüber De Standaard, dass die Staatssicherheit bis heute von 101 nach Belgien zurückgekehrten islamistischen Kämpfern wisse.. Diese könne man in drei Kategorien einteilen, so Raes: Eine Gruppe seien jene, die jedwede Illusion verloren hätten. Von denen gehe keine Gefahr aus. Die zweite Gruppe bestehe aus Leuten, die sich versteckt hielten und zwar aus Angst vor ihren ehemaligen Mitstreitern. Auch hier bestehe kaum Gefahrenpotential.

Die dritte Gruppe aber sei gefährlich, denn diese Gruppe bestehe aus Radikalen, die mit Anschlagsplänen in ihre ehemalige belgische Heimat zurückkehren. Diese seien entweder alleine oder aber in Gruppen zusammengefasst, wie die, die vor etwas mehr als einer Woche in Verviers ausgehoben wurde. Man solle nicht naiv sein, so der Geheimdienstchef, denn die Gefahr sei noch nicht gebannt: „Wenn man eine Gruppe getroffen hat, dann kann man Racheaktionen erwarten. Es ist sehr gut möglich, dass in unserem Land noch weitere Zellen dieser Gruppe aktiv sind.“

"Gegenoffensive via Internet"

Geheimdienstchef Jaak Raes empfiehlt, im Kampf gegen die Radikalisierung von Jugendlichen in Belgien zur Gegenoffensive im Internet zu blasen. Hier sollten Moslems mit einer anderen Auffassung ihres Glaubens ihren Islam verbreiten: „Persönlich halte ich es für eine gute Idee, eine Art belgischen Islam aufzubauen, mit in unserem Land ausgebildeten Imamen und mit Moscheen, die unabhängig arbeiten können und die nicht von ausländischen Geldgebern abhängig sind. Auch so kann man dieser Radikalisierung etwas entgegensetzen.“

Die Staatssicherheit will jetzt auch auf lokaler Ebene aktiver werden, um quasi vor Ort auf Symptome von Radikalisierung eingehen zu können. Wie auch andere gesellschaftliche Kräfte in unserem Land stellt sich auch Jaak Raes die Frage, ob es angesichts einer europaweiten Terrorbedrohung sinnvoll ist, ausgerechnet bei den hiesigen Geheim- und Nachrichtendiensten zu sparen.