Standard vs. Anderlecht: Spiel mit Beigeschmack

Das Spitzenspiel des 23. Spieltags in der ersten belgischen Fußball-Liga zwischen den beiden Erzfeinden Standard Lüttich und dem RSC Anderlecht stand ganz im Zeichen von Steven Defour. Der Ex-Kapitän von Standard hatte es nach einigen Jahren im Ausland (FC Porto) „gewagt“, nach Anderlecht zu gehen. Die Lüttich-Fans zeigten keine Gnade und hinterließen bei den echten Fußballfreunden einen bitteren Beigeschmack. Ach ja, Standard gewann mit 2:0.

Als die Mannschaften am frühen Sonntagnachmittag im Standard-Stadion im Lütticher Stadtteil Sclessin auf das Spielfeld gingen, rollte die Hell Side der Heimfans ein riesiges Spanntuch aus, dass einen Henker mit Schwert zeigte, der den abgeschlagenen Kopf von Stefen Defour in seiner Hand hält. Nur Minuten danach reagierten die sozialen Netzwerke und die Beobachter mit Abscheu auf diese Idee, die mit der suggerierten Enthauptung direkt auf die islamistische Terrorbewegung IS in Syrien und dem Irak abzielte. Diese Gruppe hat ja bekannterweise inzwischen auch den Weg nach Belgien gefunden...

Da geriet das Fußballspiel an sich schon fast zur Nebensache. Die torlose erste Halbzeit zeigte ein intensiv geführtes aber torchancenarmes Spiel. Erst in der zweiten Halbzeit kamen fußballerische Aspekte zum Tragen, leider auch die für ein Standard- Anderlecht-Spiel üblichen Fouls. In der 51. Minute flog dann ausgerechnet Stefen Defour mit Gelb-Rot vom Platz, weil er nach der Verletzung eines anderen Spielers den Ball zu hart ins Aus geschossen hatte. Der Ball flog in die Tribüne, was Defour vom Unparteiischen angesichts der Umstände wohl übel genommen wurde.

Nach etwas mehr als einer Stunde Spielzeit erzielte Laurent Ciman die Führung für Lüttich. Ciman spielte seine letzte Partie für Standard, denn er wechselt nach Kanada zu einem Verein in Montreal. Anderlecht wechselte in der 75. Minute Neuzugang Marko Marin ein, der ausgerechnet in einer solchen Partie seine Feuertaufe in Belgien erlebte. Er sah aber auch, dass sich seine neue Mannschaft sehr zurückgehalten hat und manch einer wird sich gedacht haben, es sei wohl besser, hier mit angezogener Handbremse zu spielen.

10 Minuten Nachspielzeit

Kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit erhöhte Igor De Camargo auf 2:0 und Standard schien den durchaus verdienten Sieg schon in der Tasche zu haben. Doch, oh Wunder, es wurden 10 Minuten (!) Nachspielzeit angeordnet. Ohne weitere Punkte ging die Partie letztendlich nach 90‘+10‘ zu Ende. Festzuhalten bleibt, dass die Spieler beider Mannschaften an sich recht fair miteinander umgegangen sind. Es gab zwar die üblichen Fouls und Nicklichkeiten, doch auch Entschuldigungen und Schulterklopfen.

Doch über das Verhalten der Standard-Fans wird gewiss noch zu reden sein. Die Kommentare, selbst von Standard-Fans, sind durchweg negativ. Für diese Art der "freien Meinungsäußerung", so ein Twitter-Kommentar, habe man vor einigen Tagen nicht gerade demonstriert...Nicht wenige fragen sich inzwischen, ob der Schiedsrichter die Begegnung nicht von vorne herein hätte abbrechen und stilllegen sollen.