Sozialverhandlungen: Indexsprung kratzt am sozialen Frieden

Die Sozialpartner legen der Regierung einen Kompromissvorschlag der leichten Netto-Lohnanhebung bei Beibehaltung des Indexsprungs vor. Der sozialistischen Gewerkschaft reicht das aber nicht aus. Sie lehnt den Indexsprung konsequent ab.
Nicolas Maeterlinck

Die so genannte Zehner Gruppe (Vertreter von Gewerkschaften und Arbeitgebern) hat sich am Freitagnachmittag erneut getroffen, um über die Sozialpläne zu verhandeln.

Doch einigen konnte man sich wieder nicht. Jetzt will man das Abkommen ohne die sozialistische Gewerkschaft durchsetzen. 

Die sozialistische Gewerkschaft ist gegen den Kompromiss der Arbeitgeber, eine leichte Lohnkostenerhöhung einzuführen, dafür aber den Indexsprung durchzudrücken. Die ABVV ist bekanntlich absolut gegen den von der Regierung geplanten Indexsprung. Bei einem Indexsprung werden die Löhne nicht an die gestiegenen Lebenshaltungskosten angepasst. Rund 200 Gewerkschaftsdelegierte lehnten deshalb die vorgeschlagenen Anhebungen des Nettolohns von 0,3 Prozent im Gegenzug zur Beibehaltung des Indexsprungs ab.

Der Vorsitzende der sozialistischen Gewerkschaft, Rudy De Leeuw (kleines Foto), droht mit erneuten Aktionen, falls die belgische Regierung bei ihrer Absicht bleibt.

Schon Anfang nächster Woche will sich die sozialistische Gewerkschaft über mögliche neue Aktionen beraten. Die christliche Gewerkschaft hat inziwschen eine zögernde Haltung angenommen.

Zur Not soll es also ohne die Zustimmung der sozialistischen Gewerkschaft gehen. Das sieht Vizepremier Didier Reynders (großes Foto oben) auch so: "Mir ist immer eine Einigung aller Sozialpartner lieber, aber es ist nicht das erste Mal, dass wir ohne den einen oder anderen Partner weitermachen müssen", so der französischsprachige liberale Vizepremier Reynders (MR).

Reynders wiederholte noch einmal, dass der Indexsprung beschlossene Sache sei und nicht mehr daran gerüttelt werden könne.