Europa: Belgier klagt wegen Euthanasie an seiner Mutter

Ein Belgier hat beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage wegen Euthanasie an seiner Mutter eingereicht. Seine 64-jährige Mutter hatte in einem Brüsseler Krankenhaus eine tödliche Spritze im Rahmen der belgischen Euthanasiegesetzgebung verabreicht bekommen. Sie hatte an einer unheilbaren Depression gelitten, heißt es. Das schreibt die Zeitung The Sunday Telegraph. Die Einreichung der Klage ist der Presseagentur Belga durch den Anwalt des Mannes bestätigt worden.

Die Mutter des Mannes hatte die Spritze 2012 verabreicht bekommen. Sie war zu dem Zeitpunkt gerade einmal 64 Jahre alt. Der Mann sagt, dass er erst nach dem Tod seiner Mutter vom Krankenhaus über die Euthanasie informiert worden sei.

Ihm zufolge hätten die Ärzte eine "unbehandelbare Depression" als Grund für die Euthanasie angegeben.

"Wenn Sie einen Film über diese Sache drehen würden, würde die Geschichte niemand glauben", so der Mann gegenüber dem Reporter von The Sunday Telegraph. "Ein Arzt sollte nicht das Recht haben, jemandem eine tödliche Spritze zu verabreichen und schon gar nicht Menschen, die ein psychisches Leiden haben oder älteren Menschen, die das Leben leid sind."

Die Klage beim Europäischen Hof für Menschenrechte in Straßburg wurde allerdings nicht vom belgischen Anwalt des Klägers eingereicht. "Ich weiß von der Klage, aber ich habe sie nicht im Namen meines Mandanten eingereicht. Das hat Roger Kiska von der Organisation Alliance Defending Freedom (ADF) gemacht."

Das ist eine konservative Organisation, die ihren Sitz in Wien (Österreich) hat und die sagt, dass sie für traditionelle  Familienwerte eintrete.

Zuvor hatte der Belgier bereits eine Beschwerde bei der Ärztekammer gegen den behandelnden Arzt, Wim Distelmans, eingereicht. Distelmans ist ein bekannter Verfechter des Rechts auf Euthanasie.

Der Mann hat auch bei der Brüsseler Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet.