Immer mehr Ärzte lehnen Behandlung von armen Patienten ab

Immer mehr Spezialisten lehnen offenbar, laut der Zeitung De Tijd, Eingriffe bei Patienten in Mehrbettzimmern ab. Für ein Einzelzimmer zahlt der Patient bis zu fünf Mal mehr als für ein Zimmer mit mindestens zwei Betten. Auch die Krankenhausärzte bekommen für Eingriffe bei Patienten in Einbettzimmern mehr Geld.
AP2014

Ein Patient, der in einem Krankenhaus ein Einzelzimmer belegt, bezahlt in Belgien ein fünffaches von dem, was Patienten in Mehrbettzimmer bezahlen. Im Durchschnitt musste eine Person 2013 rund 1.391 Euro für eine Aufnahme in ein Einzelzimmer bezahlen. Für ein Zimmer mit mindestens zwei Betten darin, waren es im Durchschnitt 281 Euro. Das hat die christliche Krankenkasse errechnet.

Auch die Ärzte profitieren in Belgien von Patienten mit Einbettzimmern. Sie bekommen für einen Eingriff bei einem Patienten in einem Einbettzimmer sehr viel mehr Geld als für einen Patienten in einem Mehrbettzimmer. Vor 2013 haben die Ärzte als Ausgleich zusätzliche Honorarzahlungen von einem Patienten in einem Mehrbettzimmer verlangen dürfen. Das ist inzwischen aber verboten.

Um dennoch auf ihre Kosten zu kommen, scheinen immer mehr Spezialisten nur noch Patienten in Einbettzimmern behandeln zu wollen und trügen allerlei Ausreden hervor, um keine Patienten in Mehrbettzimmern mehr behandeln zu müssen. Letztere ließen sie lieber von ihren Assistenzärzten operieren, schreibt die Zeitung De Tijd an diesem Montag und zitiert mehrere Krankenkassen.

"'Wir stellen immer häufiger fest, dass sich renommierte Fachärzte Ausreden ausdenken, um einen Eingriff bei einem Patienten in einem Mehrbettzimmer zu vermeiden und einem Assistenten zu überlassen", sagt Ellen De Vleeschouwer von AG Insurance.

Auch beim Krankenversicherer DKV, dem Marktführer in Belgien, heißt es, dass sich immer mehr Ärzte zurückzögen, wenn sie kein Zusatzhonorar anrechnen könnten.

Die christlichen Gewerkschaften (CM), bei der 1,4 Millionen Belgier krankenversichert sind, würden immer häufiger darüber unterrichtet, dass Patienten dazu gezwungen würden, ein Einzelzimmer zu nehmen, wenn sie von einem bestimmten Arzt behandelt werden wollten. Die CM spricht allerdings von einer Minderheit an Ärzten, die damit ihre Kollegen in Diskredit brächten.

Gleichzeitig steigt offenbar die Zahl der Einzelzimmer in den Krankenhäusern, die natürlich daran interessiert sind, mehr Geld einzunehmen.

Bei jeder Krankenhausrenovierung sähe man die Zahl der Einzelzimmer zunehmen, heißt es bei den sozialistischen Krankenkassen: "Offenbar rechnen die Krankenhäuser damit, dass die manchmal sehr hohen Aufschläge doch durch Privatversicherer zurückbezahlt würden."