Reichster Belgier geht in den Ruhestand

Der reichste Mann Belgiens, Albert Frère, geht in den Ruhestand. Die Holding GBL kündigte im für Albert Frère typischen Stil, das heißt ohne Umschweife und in drei Zeilen, den Abgang des wallonischen Geldgebers an. Im April will der 89-Jährige sein Amt als Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft GBL, Groupe Bruxelles Lambert, niederlegen. Auch zentrale Aufsichtsratsmandate will er abgeben.

Seine beiden Vizes, sein Schwiegersohn Ian Gallienne und Gérard Lamarche, sollen die Holding GBL weiterführen. In der Beteiligungsgesellschaft Pargesa folgt ihm sein Sohn Gérald Frère nach.

Obwohl GBL keine weiteren Gründe dafür angibt, warum sich Frère sowohl aus der Holding als auch aus deren schweizer Mutterholding Pargesa zurückzieht, bedeutet dies doch das Ende seiner Karriere, die er nach dem zweiten Weltkrieg als einfacher Eisenhändler begann, schreibt die Wirtschaftszeitung De Tijd.

Der "Self-made-man" sitzt auch im Verwaltungsrat der französischen Luxusgruppe LVMH und ist Vizepräsident des Energieriesen GDF Suez, eine der strategischen Beteiligungen von GBL. Ob er auch dort zurücktritt, ist noch offen.

"Krisen sind Chancen"

Er werde niemals in Rente gehen, sagte der reichste Mann Belgiens mehrere Male in Interviews. Die Ankündigung Frères, dass er zurücktrete, kam deshalb trotz seines fortgeschrittenen Alters überraschend.

Frères Lebenslauf ist eher untypisch für Wirtschaftsmanager in Belgien. Er kam aus vergleichsweise einfachen Verhältnissen, hatte weder Diplom, noch Vermögen und keine reichen Freunde. Sein Vater hatte einen Metallgroßhandel in der Gegend von Charleroi. Einige nannten ihn zunächst gar Schrotthändler.

Doch der junge Frère hat eine sehr gute Geschäftsnase und Ende der 70er Jahre sah er genau im richtigen Moment eine Stahlkrise im Anmarsch. "Krisen sind Chancen", lautete sein Motto und er nutzte die Chance: 1981 fusionierte seine Stahlgruppe Hainaut-Sambre mit Cockerill. Das war für ihn sehr vorteilhaft.

Der Staalbaron machte schließlich den Schritt in die Finanzwelt und nahm 1982 die Kontrolle über die Holding GBL in die Hand. Diese hatte finanzielle Schwierigkeiten und Frère nutzte die Chance, um mit GBL ein Finanzimperium aufzubauen.

Auch politisch lieferte er Ideen, die der Wirtschaft in diesem Land und vor allem ihm zugute kamen. Er steckte hinter den Ideen, Kleinanlegern und börsennotierten Unternehmen mit kräftigen Steuervorteilen neuen finanziellen Schwung zu verleihen. Er erhöhte das Kapital von GBL, das sich innerhalb von zwei Jahren verdoppelte.

Der Durchbruch und sein steiler Aufgang im belgischen Kapitalismus kam 1988, nachdem die Société Generale in die Hände der französischen Gruppe Suez überging. Wie die Zeitung De Tijd schreibt, sei das aber auch das Ende des bestehenden belgischen Kapitalismus gewesen.

Das finanzielle Machtzentrum von Belgien implodierte und wurde nach Paris verlegt. Dadurch wurde Raum für andere Initiativen frei. Um mit relativ begrenzten Mitteln umfangreich zu investieren, hatte Frère stabile Partner nötig. Diese fand er im französischen Bankriesen BNP Paribas und in der kanadischen Familie Desmarais. Die Allianz mit BNP Paribas dauerte bis 2013. Mit den Desmarais baute er ein Imperium auf. Die Zusammenarbeit Frère-Desmarais läuft noch bis 2029.

Frère hielt übrigens zeitweise auch knapp ein Drittel der Anteile der RTL-Gruppe. Die tauschte er später gegen Bertelsmann-Aktien.

Albert Frère gilt als der reichste Mann Belgiens. Sein Vermögen wird auf über drei Milliarden Euro geschätzt. Er stand bereits auf der Forbes-Liste der reichsten Leute der Welt.