Neuer Fahrplan: 86 % der Bahnfahrer unzufrieden?

Die Fahrplananpassung der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB von Mitte Dezember 2014 hat offenbar den meisten Fahrgästen keine Besserung der Qualität gebracht. Einer großangelegten Umfrage der belgischen Fahrgastverbände zufolge ist nur etwa jeder zehnte Pendler mit dem neuen Fahrplan zufrieden.

Die beiden belgischen Fahrgastverbände TreinTramBus in Flandern und Navetteurs.be im frankophonen Sprachraum sowie der Verbraucherschutzverband Test Aankoop/Test Achats hatten insgesamt 6.927 Ansichten von Bahnfahrern zum neuen Fahrplan gesammelt und analysiert und dabei festgestellt, dass etwa 86 % der Befragten rundweg unzufrieden sind, nach dem sie einen Monat lang diesen Fahrplan in der Praxis getestet hatten.

Die Probleme sind mannigfaltig: Verspätungen, gekappte Direktverbindungen, zu kurze Umsteigezeiten und dadurch verpasste Anschlüsse, übervolle Züge, veraltete Züge wo vorher modernere Bahnen eingesetzt wurden und nicht zuletzt langsamere Zugverbindungen bzw. längere Zugfahrten.

Verbraucherschützer und Fahrgastverbände fordern jetzt, dass die Bahngesellschaft NMBS/SNCB auf die Kritik, die nach eingehender Praxis erfolgte, eingeht, doch die Bahnchefs sehen das ganz anders. Am Mittwoch mussten Bahnchef Jo Cornu und der CEO der bahneigenen Infrastrukturgesellschaft Infrabel, Luc Lallemand, vor dem zuständigen Parlamentsausschuss für Infrastruktur in Brüssel Rede und Antwort stehen, doch hier wirft man den Kritikern vor, in den Medien ein schlechtes Bild der Eisenbahn in Belgien zu vermitteln.

NMBS/SNCB-CEO Cornu sieht den neuen Fahrplan insgesamt positiv und gab an, diesen nicht mehr anpassen zu können. Dies habe in erster Linie technische und finanzielle Gründe. Nur eines wolle man versuchen, nämlich das Problem der überfüllten Züge zu den Stoßzeiten morgens und abends zu lösen.

Problem Unterhalt?

Indessen gehen die Medien im Land immer tiefer auf die Probleme der Bahn ein. Ein latentes Problem der Bahn sei, dass stets rund 25 % des rollenden Materials - Lokomotiven, Triebwagen und Reisezugwaggons - in den Werkstätten seien und auf Reparatur warten würden. Dies meldeten am Mittwoch u.a. die beiden flämischen Tageszeitungen De Morgen und De Standaart nach Darstellungen von Fachleuten. Die Bahn gibt dazu an, dass der Werkstattbestand bei 5 bis 15 % des fahrenden Materials liege.

Hier könnte der ewige Personalmangel ein Grund sein. Bisher war nur bekannt, dass es bei Lokführern und Schaffnern regelmäßig zu personellen Engpässen kommt. Doch auch im Unterhalt des rollenden Materials scheint die Lage ähnlich zu sein. De Morgen berichtete, dass derzeit etwa 100 der insgesamt der 540 modernen Doppelstockwaggons in der Werkstatt seien.