Verkehrsministerin will Belgien mit Bahn abfahren

Die belgische Verkehrsministerin Jacqueline Galant will ganz Belgien mit dem Zug abfahren, um die Zustände der belgischen Bahn am eigenen Leibe zu spüren. Man könne Sie ruhig - auch auf Niederländisch - unterwegs ansprechen, sagte die Wallonin gegenüber der Zeitung Het Laatste Nieuws.

In den vergangenen Wochen ist sie bereits wegen ihres neuen Bahnfahrplans für die NMBS mit Klagen überschüttet worden. Der Plan sei von ihren Vorgängern beschlossen worden, verteidigt sich die Ministerin. Trotzdem wolle sie allen antworten, die ihr Fragen per Email zusenden würden.

Viele Verspätungen hätten übrigens nichts mit dem Bahnfahrplan zu tun, sondern zum Beispiel mit spielenden Kindern auf den Gleisen. Trotzdem frage sie sich, warum nach ein paar Tagen des Frierens direkt der ganze Betrieb stillliege. In Norwegen führen die Züge doch auch, so Galant.

Der Bahnfahrplan könne nicht 'mal eben so abgeändert werden, heißt es weiter. Das sei technisch nicht so einfach. Bei einigen Verbindungen seien einfach andere Transportmittel wie das Fahrrad oder der Bus eine bessere Lösung.

"Meine Vorgänger haben nicht mit den Regionalministern zusammengesessen, um das Bahn-Angebot mit dem Angebot von Bus und Straßenbahn abzustimmen. Ich möchte das schon machen", sagte die Ministerin der Zeitung.

Galant bereitet schon jetzt einen neuen Bahnfahrplan für 2017 vor. Man brauche einfach drei Jahre, um das alles gut auszuarbeiten.

Anderes Entschädigungssystem

Auch denkt sie derzeit über ein anderes System der Entschädigungen nach. Vielen Zugreisenden sei der Papieraufwand zu hoch, um Entschädigung zu beantragen und die koste sowieso zu viel Geld und zwar in Zeiten, in denen man doch sparen müsse.

Aber man könne etwas gegen die Verschwendung bei der Bahn tun. Bei der NMBS sei die Verschwendung nämlich viel zu groß.

Galant arbeitet zur Zeit an einem Modernisierungsplan, den sie im März oder April fertig haben möchte. Sie schaut vor allem besorgt auf die vielen Filialen und Strukturen, die alle gut bezahlte Manager beschäftigten. Für einige, so die liberale Ministerin, sei die eigene Karriere den Nöten der Fahrgäste vorgegangen.

Und natürlich seien weitere Einsparungen als die bislang geplanten 663 Millionen Euro möglich! Gerade bei der NMBS sei das der Fall. Beim Schienennetzverwalter Infrabel habe man ja schon eine Modernisierung über sich ergehen lassen.

Beim gewöhnlichen Bahnpersonal wird es aber keine direkten Entlassungen geben, fährt die Ministerin noch fort. Man habe genug Personal, das einfach besser organisiert werden müsse.

Jedenfalls müsse man etwas unternehmen, denn gegen Ende der Legislatur muss die Bahn auf eine mögliche Liberalisierung vorbereitet sein.

Jetzt heißt es also, warten auf den neuen Plan der Ministerin!