Kopftuchverbot an Schulen wieder im Gespräch

Lieven Boeve, der Vorsitzende des Katholischen Bildungswesens im belgischen Bundesland Flandern, will die Debatte zum Kopftuchverbot an flämischen Schulen wieder in Gang bringen. Seiner Ansicht nach ist dieses Verbot unnötig. Boeve will auch mit den anderen Bildungsträgern in Flandern darüber reden.
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Lieven Boeve, der Vorsitzende des Katholischen Bildungswesens in Flandern, will der wachsenden Radikalisierung von jungen Moslems im Land etwas entgegensetzen. Vor einiger Zeit gab er an, mehr Lehrpersonen islamischen Glaubens in den katholischen Schulen Flanderns einsetzen zu wollen und jetzt stellt er das Kopftuchverbot an Flanderns Schulen in Frage und fordert allgemein die Zulassung von religiösen Symbolen im gesamten flämischen Bildungswesen.

Gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion sagte Lieven Boeve (kl. Foto) am Montagmorgen dazu: „Ich habe in erster Linie für die Zulassung von religiösen Symbolen im öffentlichen Raum plädiert und auch für das Kopftuch. Das geht für mich viel weiter, denn das hat natürlich auch damit zu tun, was wir unter Neutralität verstehen. Das betrifft die Art und Weise, wie wir mit religiösen Symbolen im öffentlichen Raum umgehen, wenn diese sichtbar sind. Das ist dann oft das Argument, dies nicht zuzulassen.“

Katholische Schulen in Flandern dürfen autonom entscheiden, ob die Symbole, wie Kopftücher bei islamischen Frauen und Mädchen zulassen oder verbieten.

Selbst die Justiz stellt inzwischen das Kopftuchverbot an Schulen in Frage. In Sint-Truiden (Prov. Limburg) und in Dendermonde (Prov. Ostflandern) hoben Richter dieses Verbot auf.

Im konfessionsfreien Landesbildungswesen in Flandern gilt seit 2013 ein allgemeines Verbot von religiösen Symbolen, also auch Kopftuchverbot für Lehrerinnen und Schülerinnen islamischen Glaubens.

Raymonda Verdyck (kl. Foto), die Vorsitzende des so genannten Gemeinschafts-Schulwesens, sieht darin vor allem positive Effekte, wie sie gegenüber der VRT verdeutlichte: „Wir haben festgestellt, dass durch das Wegnehmen dieser Symbole wieder Debatten möglich wurden, offene Gespräche, bei denen man wechselseitig und gleichberechtigt aufeinander zugeht. Wo man den anderen so respektiert, wie er ist, um dabei auch entdecken zu können, welche Vision, welche Ansicht der jeweils andere Schüler hat.“