AKW Tihange 2 und Doel 3: Mehr Mikrorisse

Doel 3 und Tihange 2 scheinen mehr beschädigt zu sein als bisher gedacht. Nicht 10.000, sondern 16.000 Mikrorisse wurden entdeckt in den Reaktorkesseln von Doel 3 und Tihange 2. 13.000 in Doel und 3.000 in Tihange. Diese Zahlen wurden inzwischen von Jan Bens, dem Leiter der Atomaufsichtsbehörde FANK, bestätigt. Die Zahl der Materialschwächen hat sich also quasi über Nacht um 60 Prozent erhöht.

Das bedeute nicht, dass sich die Situation betriebsbedingt verschlechtert habe, hieß es bei der Betreiberfirma Electrabel. Diese Risse seien nicht hinzugekommen; die neue Zahl sei schlicht und einfach darauf zurückzuführen, dass man die Messmethoden verfeinert habe.

Im Augenblick wird unter Hochdruck geprüft, ob diese Mikrorisse eine Gefahr darstellen können und ob sie sich in den letzten Jahren konkret vergrößert haben.

Nichtsdestotrotz könnte dieser neue Befund die Wiederaufnahme des Betriebs der beiden Meiler weiter verzögern.. Bislang war man davon ausgegangen, dass die Reaktoren am 1. Juli wieder hochgefahren werden können. Im Endeffekt entscheidet aber die FANK, wann beziehungsweise ob die Anlagen wieder ans Netz gehen können.

Die zuständige Energieministerin Marie-Christine Marghem habe einen möglichen längerfristigen Ausfall der beiden Reaktoren aber bereits in Erwägung gezogen.

AKW opfern?

Eigner Electrabel – eine Tochterfirma des französischen Energiekonzerns GDF Suez – ist bereit, die Mikrorisse an den beiden Reaktoren noch gründlicher kontrollieren zu lassen. Electrabel schließt nicht aus, eines der beiden betroffenen Atomkraftwerke eventuell stillzulegen und zu opfern, um den stählernen Reaktordruckbehälter noch gründlicher überprüfen zu lassen.

Ähnliche Reaktorkessel wurden weltweit in Kernkraftwerken eingebaut und deshalb ist es von allergrößter Bedeutung, dass sie nicht zum Sicherheitsrisiko werden. Eine endgültige Entscheidung Electrabels über diesen Schritt steht noch aus.