Grüne: "Electrabel schafft künstlich Stromknappheit"

Flanderns Grüne (Groen) werfen dem belgischen Energiemulti Electrabel vor, künstlich für Elektrizitätsengpässe zu sorgen, um so die belgische Bundesregierung zu manipulieren. So würden thermische Kraftwerke vermehrt geschlossen, während Untersuchungsberichte zu Schäden an Kernkraftwerken zurückgehalten würden.

Vor dem zu Ende gehenden Winter wurden in Belgien allerlei Diskussionen um drohende Energieengpässe geführt. Probleme in den Kernkraftwerken sorgten für in aller Eile organisierte Notfallpläne für den Fall der Fälle und die Mitte-Rechts-Regierung ist auf dem Weg, den Ausstieg aus dem Atomausstieg in Angriff zu nehmen.

In den Augen der flämischen Grünen von Groen ist dies alles eine von Electrabel in die Wege geleitete künstliche Angst vor Stromausfällen. Durch derlei Panikmache beeinflusse der Energiegigant die Politik der Bundesregierung, die jetzt händeringend nach Wegen suche, strategische Reserven anzulegen, wie Groen-Energiesprecher, der föderale Abgeordnete Kristof Calvo (kl. Foto) gegenüber der VRT dazu sagte:

„Die Regierung muss eigentlich nur ganz einfach die Reihenfolge ihrer Beschlüsse umkehren und das Heft in die Hände nehmen, anstatt auf die Launen von Electrabel einzugehen. Zuerst sollte man sich auf jeden Fall dazu entschließen, Doel 1 und Doel 2, die kleinsten und ältesten Reaktoren des Landes, so wie es das Gesetz vorsieht, 2015 zu schließen. Dann sollte man sich Klarheit über den Zustand von Doel 2 und Tihange 2 verschaffen. Das sind die Meiler mit den Haarrissen in der Reaktorummantelung. Sollen die weiter betrieben werden oder nicht? Und erst danach sollte man sich mit der Frage der strategischen Reserven beschäftigen, damit nicht mehr bezuschusst wird, als unbedingt notwendig.“

Keine Ahnung? Keine Visionen?

Electrabel zeigte sich am Mittwoch von den Äußerungen des flämischen Grünenpolitikers Kristof Calvo überrascht und geht davon aus, dass dieser keine Ahnung von der Materie habe. Gitta Keyaert, eine Sprecherin des Energieriesen, sagte gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion, dass die Unsicherheit auf dem Energiemarkt ein strukturelles Problem in ganz Europa sei:

„Wir glauben, dass das mit der Tatsache zu tun hat, dass man über nicht ausreichende Kenntnisse des Energiesektors in Belgien und Europa verfügt. Belgien und selbst Europa kämpfen mit Energieengpässen und das Problem mit der Versorgungsunsicherheit ist struktureller Art. Es gibt eigentlich nie eine langfristige Strategie. Es gibt nur die heutige Gesetzgebung, die sagt, dass die Kernkraftwerke schließen müssen. Doch es dazu niemals eine alternative zu aufgebaut worden. Also ist eine langfristige Vision auf Ebene der Energie nötig.“

Dazu bleibt zu bemerken, dass Electrabel damit recht hat, dass auf politischer Ebene in Belgien niemals wirklich an einer Alternative für die Kernenergie gearbeitet worden ist - auch nicht zu den Zeiten, in denen die Grünen auf Bundesebene in der Mehrheit waren. Aber, der Energiesektor selbst hat auch nicht besonders viel dazu beigetragen, entsprechende Alternativen zu finden.