Aus für "Cara Pils"? Wenn Bierfans emotional werden

Die belgische Discounter-Kette Colruyt steht vor einem Problem der besonderen Art. Im Zuge der Vereinheitlichung aller Colruyt-Produkte der Eigenmarke soll das hauseigene „Cara Pils“ umbenannt werden und in Zukunft „Everyday“ heißen. Doch das „Cara Pils“ genießt in Belgien Kultstatus, auch wenn es in den Augen vieler nur eine „Billig-Plörre“ ist. Die „Cara“-Fans proben jetzt den Aufstand.

„Cara Pils“ ist ein Dosenbier, dass die Billig-Supermarkt-Kette Colruyt seit vielen Jahren im Programm hat. Dieses Bier ist nichts für Feinschmecker und Bier-„Connaisseure“, doch es ist eben billig und für jeden bezahlbar. Genau deshalb genießt es zum Beispiel in Studentenkreisen Kultstatus.

An diesem Status rüttelt Colruyt mit der bereits laufenden Namensänderung von „Cara Pils“ in „Everyday“ ganz gewaltig. „Cara Pils“ ist in Belgien vielleicht ebenso kultig, die die Aldi-Billigbiere „Karlskrone“ (in der Brauerei Martens in Belgien gebraut!) und „Karlsquell“ in Deutschland.

Gewaltig scheint auch der Protest gegen diese Namensänderung zu werden. Über die sozialen Netzwerke, wie kann es auch anders sein in unserer heutigen Zeit, laufen die „Cara“-Fans Sturm. Facebook kocht und Online-Petitionen laufen. Auf Twitter kann man seinem Unmut über #savecara freien Lauf lassen.

Von „schützenswertem Kulturerbe“ ist hier die Rede und Sprüche, wie „Je suis Cara“, schießen wie Pilze (oder Pilse) in den Himmel. In der kommenden Woche soll in der flämischen Studentenstadt Gent sogar ein Protestmarsch zur Rettung von „Cara Pils“ stattfinden, zu dem sich bereits tausende Trauernde über Facebook angemeldet haben.

Imageproblem?

Jetzt hat Colruyt ein Problem, ja ein echtes Imageproblem. Aus markenstrategischen Gründen scheint es logisch zu sein, dass der Discounter seine Eigenmarkenprodukte unter einem einheitlichen Logo, eben „Everyday“, vermarkten will. Doch in diesem Fall haben die Marketing-Strategen des Hauses wohl den Kultstatus und die emotionale Wirkung dieser Namensänderung grob unterschätzt.

Doch offenbar ist man bei Colruyt dazu bereit, den Schritt gerade beim „Cara Pils“ noch einmal zu überdenken. Wenn Colruyt hier zurückrudert, dann wird aus dem Protestmarsch in Gent vielleicht sogar ein Nachschlag auf den gerade auch in Flandern zu Ende gegangenen Karneval.