Fischereistiftung muss EU-Zuschüsse zurückzahlen

Die flämische Stiftung für nachhaltige Fischereientwicklung (SVDO) muss EU-Zuschüsse zurückzahlen. Die Initiative hatte europäische Regeln verletzt, indem sie EU-Zuschüsse für die Entwicklung einer eigenen Handelsmarke nutzte und damit auch eine eigene Zucht aufbaute. Die EU-Kommission urteilte jetzt, dass dieses Geld missbraucht worden sein und fordert es mit Zinsen zurück.
BELGA/VAN ASSCHE

Ein flämischer Muschelzüchter hatte gegen die flämische Stiftung für nachhaltige Fischereientwicklung (SVDO) geklagt, weil diese Stiftung der öffentlichen Hand ihm unerlaubte und EU-bezuschusste Konkurrenz brachte. Das Muschelzucht-Unternehmen Reynaert-Versluys war der Ansicht, dass europäische Gelder für die Entwicklung von Fischfang nicht zum Aufbau einer eigenen Muschelzucht plus Handelsmarke dienen sollten.

Diesem Umstand gab die EU-Kommission jetzt nach mehreren Jahren Verfahren recht und verurteilte die Stiftung zur Rückgabe der Zuschüsse. Die SVDO hatte ihre eigene Marke „Flanders Queen Mussel“ mit einer großangelegten PR-Kampagne beworben und das nötige Geld dazu kam ebenfalls aus der Zuschusskasse. Nicht zuletzt hatte die Tatsache, dass die Stiftung 87 eigene Hängekörbe zur Muschelzucht betrieb, Kommerzielle Aktivitäten belegt.

Doch diese Stiftung besteht nicht mehr wirklich, denn sie hat seit Jahren keine Bilanz mehr vorgelegt und Sitzungen des Verwaltungsrates haben nach Recherchen der flämischen Tageszeitung De Morgen ebenfalls kaum stattgefunden. Nur im Zuge des EU-Urteils gegen die Stiftung ist es wieder zu Versammlungen gekommen….

Die Vorgeschichte

2008 brachte das Unternehmen Reynaert-Versluys die ersten eigenen und vor der belgischen Nordseeküste gezüchteten Muscheln an Land. Das Experiment „Belgica Muscheln“ war gelungen und das Projekt wurde der flämischen Stiftung für nachhaltige Fischereientwicklung (SVDO) vorgelegt. Doch der Stiftung viel nichts Besseres ein, als selbst eine Muschelzucht aufzuziehen.

Als man dann im gleichen Jahr die ersten Muscheln verkaufen wollte, stellten die Fachleute der belgischen Bundesagentur für Lebensmittelsicherheit bei einem Teil der "Belgica Muscheln" einen Befall von giftigen Algen fest und fast die Hälfte der Erzeugnisse musste vernichtet werden.

Später erfuhr das Unternehmen, dass die vom belgischen Bundesland Flandern umfangreich bezuschusste SVDO die entsprechenden Proben der „Belgica Muscheln“ zur Lebensmittelagentur gebracht hatten und noch viel später wurde klar, dass den mittlerweile vernichteten Produkten eigentlich gar nichts fehlte…

2011 suchte Willy Versluis nach dem Weggang seines entnervten Kollegen nach neuen Partnern und fand sie bei Muschelzüchtern im grenznahen französischen Dünkirchen, denn auch die dortigen Züchter arbeiteten mit Hängekulturen an Pontons auf hoher (Nord-)See, doch ein schwerer Sturm zerstörte die Zuchtanlagen. Versluys gab auf und verlor viel Geld. Außer Spesen, nichts gewesen… Das Urteil gegen die SVDO mag da nur geringe Genugtuung auslösen.