Frührenten-Kompromiss: Regierung passt an

Die belgische Mitte-Rechts-Regierung übernimmt den von den Sozialpartnern ausgehandelten Kompromiss zur Frührentenregelung, erweitert diesen allerdings um einige weitere Punkte. Wer jetzt in den Vorruhestand gehen will, der muss sich aktiv für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen. Wer allerdings bereits in Frührente ist, bleibt verschont.

Arbeitnehmer in Belgien, die in Zukunft von Frührente oder Vorruhestand profitieren können, müssen sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen und zwar aktiv. Das bedeutet, dass sie sich weiter bewerben sollen und dass die Jobangebote, die ihrem Profil entsprechen, annehmen sollen. Die meist über 50 Jahre alten Betroffenen werden von den Arbeitsämtern dabei begleitet.

Die 'Aktivierung auf Maß', wie der Kompromiss die Zurverfügungstellung von Frührentnern auch mit über 60 für den Arbeitsmarkt nennt, soll auf Ebene der Länder und Regionen erfolgen, wie Bundesrentenminister und Vizepremier Alexander De Croo (Open VLD) gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion angab: „Das nennen wir ‚angepasste Verfügbarkeit‘. Bei jemandem, der mit 60 Jahren seinen Job verliert, muss man eher nachschauen, welche Erfahrungen er mitbringt, als welche Diplome er hat. Darauf muss man dessen Begleitung aufbauen.“

Die Regierung bittet die Sozialpartner, Gewerkschaften und Arbeitgeber, darum, für ein Klima eines nachhaltigen sozialen Friedens zu sorgen, weil sie schließlich deren Kompromiss angenommen hat. Doch genaueres verlautete nicht, denn Bundesarbeitsminister Kris Peeters (CD&V) erinnert daran, dass man sich am Sonntag mit der so genannten „10er Gruppe“ aus Sozialpartnern und Regierung treffen werde. Dort solle die Anpassung der Regierung am Kompromiss der Sozialpartner erklärt werden.

Positive Effekte?

Nach Ansicht des Zeitarbeitsvermittlers Randstad wird die Anpassung der geltenden Regelungen zu Frührente oder Vorruhestand einen positiven Effekt mit sich bringen. Für Randstad ist die heutige Regelung in dieser Hinsicht entmutigend. Jetzt werde man sich genau überlegen, ob man vorzeitig in Rente gehen werde. Frührente werde auf Dauer nur noch nach sehr langen beruflichen Laufbahnen oder nach schwerer Arbeit möglich.

Kritiker gehen davon aus, dass die Neuregelung der Frührente und die entsprechende Verfügbarkeit der Betroffenen auf dem Arbeitsmarkt keine gute Idee sei. Die Unternehmen würden ältere Mitarbeiter gerne loswerden und der Arbeitsmarkt suche kaum über 50- oder über 60jährige.

Das allerdings sieht das Sicherheits-Unternehmen Securitas anders. Hier will man in allernächster Zukunft Über-50jährige anwerben, wie Securitas-Sprecherin Ann Buysse gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion sagte, denn diese würden Erfahrungen mitbringen, die jüngere Kollegen einfach nicht haben: „Wir bemerken, dass ältere Mitarbeiter oft Reife mitbringen und einen ganzen Haufen an Lebens- und Arbeitserfahrung, was wir als einen Mehrwert im Job ansehen. Unsere Statistiken verzeichnen sogar, dass unsere Über-50jährigen weniger oft fehlen, als die Kollegen zwischen 30 und 40.“