Ältestes Haus Antwerpens steht zum Verkauf

Das offiziell älteste Haus der Hafenmetropole Antwerpen steht zum Verkauf. Das wegen seiner historischen Holzfassade „Der Hölzerne Giebel“ genannte Gebäude, das etwa auf das Jahr 1500 datiert ist, liegt in einer engen aber idyllischen kleinen Straße im Herzen der Antwerpener Altstadt.

Nach einer Meldung der Regionalzeitung Gazet Van Antwerpen möchte die Besitzerin, die dieses historische Gebäude bisher als zweiten Wohnsitz nutzte, das Haus für 395.000 € veräußern. Die Fassade aus dem 16. Jahrhundert ist denkmalgeschützt, doch die Inneneinrichtung ist modern und strahlt unter Beibehaltung der historischen Substanz das Flair der Jetztzeit aus.

Das Haus liegt in der kleinen Stoelstraat ganz in der Nähe zum Großen Markt im Zentrum der Altstadt. Nach Angaben des Immobilienhändlers, der mit dem Verkauf des Gebäudes betraut wurde, ist dies nicht wirklich das älteste Haus Antwerpens, doch es ist das älteste bewohnte, bzw. bewohnbare Gebäude der Stadt, wie entsprechende Recherchen im Antwerpener Stadtarchiv im Felixpakhuis laut Gazet Van Antwerpen ergeben haben.

Die Fassade, also der historische hölzerne Giebel, steht unter Denkmalschutz, muss also von potentiellen Käufern erhalten und gepflegt werden. Was im Inneren des Gebäudes geschieht, ist Sache des zukünftigen Eigentümers, wie der Immobilienhändler angibt. Eines müsse man wissen, wenn man das Haus kaufen möchte: Es ist ein „Winterhaus“. Tageslicht kommt angesichts der engbebauten kleinen Straße, der Stoelstraat, nicht wirklich ins Haus.

Die Stoelstraat

Die Stoelstraat, die zwischen der Zirkstraat und der Zwartzusterstraat in der Nähe des Großen Marktes der Scheldemetropole liegt, hat ihre eigene Geschichte und auch die Mauern der anderen Häuser können etwas erzählen.

Sie existiert seit 1496 und wurde zunächst Joos Hoensstraatje genannt. So hieß die Person, auf deren Grundstück die Straße damals entstand. Danach änderte sich der Name, denn ein reicher ungarischer Juwelier ließ sich hier nieder. Im alten Antwerpener alt-brabanter Dialekt wurde aus ‚Ungar‘ ‚de Hongere‘ und so wurde aus dem Joos Hoensstraatje die Hongerstraat. Das wiederum interpretierten französische Komödianten als ‚Straße des Appetits‘… Zur Stoelstraat, übersetzt Stuhlstraße, wurde sie aber erst im 18. Jahrhundert, warum auch immer.

Diese kleine versteckte Straße lag in einer damals eher wohlhabenden Gegend der Hafenstadt, in der reiche Herren auch mal diskret nach Entspannung suchten. Eine gewisse ‚Madame Cordemans‘ nutzte diesen heimeligen Ort und richtete in einem Haus in der Nachbarschaft des „Hölzernen Giebels“ ein intimes ‚liegendes Unternehmen‘ ein, damit Gentlemen - reiche Händler auf der Durchreise, diskrete Antwerpener oder Kapitäne zur See - in aller Ruhe sündigen durften. Heute beherbergt dieses Haus ein kleines Hotel, dass frei nach der berühmten Antwerpener Auswanderer-Reederei Red Star Line ganz einfach ‚B&B Bed Star Line‘ heißt.