Bahnhof Eupen: Hängt die Bahn Ostbelgien ab?

Nach einer Meldung der deutschsprachigen belgischen Tageszeitung Grenzecho könnte eine Reorganisation der Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB dafür sorgen, dass der Kundendienst am auch bei deutschen Reisenden beliebten Bahnhof von Eupen in naher Zukunft Federn lässt.

Ab dem 1. April könnte es sein, dass der Service am Eupener Bahnhof etwas eingeschränkt wird. Kürzere Öffnungszeiten am Schalter und neues Personal, dass nicht unbedingt der deutschen Sprache mächtig sein wird, werden den Kundendienst arg in Mitleidenschaft ziehen. Was wird dort passieren? Die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB plant, die derzeit am Bahnhof Eupen eingesetzten Bahnhofs-Untervorsteher, die zur Bahneinheit „Mobility“ gehören, durch solche aus dem Bereich „Sales & Marketing“ zu ersetzen.

Die bisher dort tätigen Eisenbahner sind (noch) eine Art Mädchen für alles, sprich, sie kümmern sich um alles, was den einzigen Personenbahnhof im deutschsprachigen Landesteil Belgiens betrifft. Sie kommen aus der Region und sprechen alle deutsch. Das ist unter anderem auch wichtig für die vielen Bahnkunden aus Deutschland, denn für Reisende aus dem Großraum Aachen oder aus der Nordeifel ist der Eupener Bahnhof das Eingangstor zu Belgien und zwar sowohl für Tagesausflügler, Kurzurlauber oder Reisende, die von hier aus zum Brüsseler Flughafen fahren wollen.

Die Personalreform der Bahn aber birgt Probleme, denn zum einen müssen die hier tätigen „Sales & Marketing“-Mitarbeiter der Bahn in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens (DG) deutsch sprechen. Und zum anderen plant die Bahn gerade hier in diesem Personalbereich Einsparungen von bis zu 40 % bei der Belegschaft. Was bedeutet das jetzt für den Standort? Das Grenzecho glaubt, dass es Eupen so ergehen wird, wie einigen anderen Bahnhöfen östlich von Lüttich. Im nahegelegenen Welkenraedt aber auch in Spa oder Pepinster wurden die Öffnungszeigen gestutzt und an Wochenenden und Feiertagen bleiben die Schalter ganz dicht.

Hier versteckt sich ein weiteres Problem. Die Kunden müssen mit den Fahrkartenautomaten Vorlieb nehmen, doch diese nehmen lediglich Bankkarten oder Münzen an und hierbei auch nur 20 Stück. Internationale Fahrkarten für z.B. den Thalys kann man hier auch nicht erwerben. Und wer im Zug nachlösen will, der hat ein zusätzliches Problem. Seit dem 1. Februar verlangen die Zugschaffner einen automatischen Aufschlag von 7 € pro Fahrkarte und auch hier sind nicht alle Formen von Fahrausweisen zu bekommen.

Land‘s End in Ostbelgien?

Die Bahnreisenden, die in Eupen den Zug nehmen (Berufspendler, wie der Autor dieser Zeilen, Schüler und Studenten, Tagesausflügler aus Ostbelgien und NRW, Urlaubsreisende auf dem Weg zum Brussels Airport oder zu Ferienzielen im belgischen Inland) befürchten Schlimmstes. Bleibt der Bahnhof überhaupt langfristig erhalten? Schon die Unterbrechung der früheren „AixPress“ genannten Direktverbindung zwischen Lüttich und Aachen lässt Arges vermuten. Heute müssen Fahrgäste auf dieser nur kurzen Relation in Verviers oder Welkenraedt umsteigen. Es steht zu befürchten, dass sich die belgische Bahn nur noch für die Hochgeschwindigkeitsstrecke Lüttich-Aachen interessiert.

Der Rest scheint unwichtig. Und nach internationaler grenzüberschreitender Kooperation zwischen NMBS/SNCB und DB AG sieht das auch nicht gerade aus. Für die belgische Bahn selbst und leider wohl auch für die lokale und regionale Politik ist alles, was bahnmäßig östlich von Lüttich liegt offenbar lästig und kostet Geld. Von gesunder Verkehrspolitik, weg vom Auto hin zur Bahn, handelt diese Geschichte ohnehin nicht unbedingt. Weg vom Auto bedeutet in Eupen z.B. nur, vor dem Bahnhof fast nur noch Kurzparkplätze vorzusehen. Ohne ausreichend adäquate Langzeitparkplätze für Bahnkunden aus der ländlichen Umgebung nehmen wohl die meisten potentiellen Fahrgäste gleich den eigenen Wagen für eine Fahrt ins belgische Inland… Oder sie fahren ins nahe Welkenraedt, denn dort ist der Service zwar heute schion nicht besonders gut, aber Parkplatz gibt es dort genug. Und dem Bahnhof Eupen gehen dadurch wichtige Einnahmen flöten...