Kein Geld für die Pflege- und Seniorenheime

Für den geplanten Bau oder die Renovierung von 171 Altenpflege- und Wohnheimen im belgischen Bundesland Flandern ist derzeit kein Geld übrig. Die Betreiber dieser Pflegeeinrichtungen müssen ihre Pläne selbst finanzieren. Der Verband der Pflegeeinrichtungen wendet sich in einem Schreiben an die Landesregierung. Dort heißt es: „Wir tun was wir können.“

Das Altenheim Sint-Rafael in Liedekerke in Flämisch-Brabant ist ein Beispiel für die Probleme in diesem Bereich. Die Zimmer sind dort nach den heute geltenden Ansprüchen sowohl für die Bewohner selbst, als auch für das Pflegepersonal zu klein. Der Direktor des Zentrums, Manu Langerock, sieht sich gezwungen, die Anpassungsarbeiten selbst zu finanzieren, wie er gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion angab:

„Ein Zimmer bei uns ist nur 2,5 m breit und weil an einer Seite noch ein Bett steht, bleibt nur ein schmaler Gang im Raum, der für einen Rollstuhl zu eng ist. Der Nachttisch steht an der anderen Seite des Zimmers und es ist unmöglich, diesen ans Bett zu stellen. Das alles zeigt, dass diese Elemente dafür sorgen, dass diese Räume in Sachen Komfort den heutigen Ansprüchen der Senioren nicht mehr entsprechen.“

In Gent sieht die Lage nicht anders aus. Dort plant das Öffentliche Sozialhilfezentrum ÖSHZ) den Bau eines neuen Pflegewohnheims mit besonderen Räumen für junge Demenzpatienten. Gents ÖSHZ-Vorsitzender Rudy Colliers nannte gegenüber der VRT die Summe, die er letztendlich als Zuschuss von Landesseite her nicht bekommen wird: „Das Gesamtprojekt wird etwa 25 Mio. € kosten und wir sollten davon 9 Mio. € als Zuschuss von den flämischen Behörden erhalten.“

Ist Europa mal wieder der Schuldige? Probleme werden abgewälzt

Letztendlich bedeutet das, dass die Preise für Zimmer in flämischen Pflegewohnheimen gleich welcher Art zwischen 10 und 12 € pro Tag steigen werden. Das Problem der leeren Kassen wird auf die Europäische Union geschoben. Diese schreibt vor, dass die flämische Landesregierung so genannte PPP-Projekte (public rivate partnership) in den Landeshaushalt aufnehmen muss.

Viele Pflegewohnheime in Flandern werden mit privaten und öffentlichen Geldern kreuzfinanziert. Und das Land nahm die entsprechenden Ausgaben nicht in den Haushalt auf. Das ist in den Augen der Europäischen Union nicht tragbar.

Die flämische Landesregierung kündigte jetzt an, dass es nächstes Jahr für diesen Bereich wieder ein Budget geben werde. Flanderns Sozialminister Jo Vandeurzen (CD&V - kl. Foto) wird dazu aufgefordert, bei der anstehenden Haushaltskontrolle mehr Mittel herauszuschlagen. Aus seibnem Kabinett verlautete dazu: „Wir tun was wir können.“

Der Minister hat unterdessen eine Taskforce eingesetzt, die langfristig ein neues System für die Bezuschussung von Investitionen im Pflegebereich ausarbeiten soll. Die akuten Sorgen des Sektors nimmt das nicht weg, denn für das laufende Jahr wird das Schlimmste befürchtet.