Französisch-belgischer Streit um Waterloo-Münze

Eine Gedenkmünze, die in Belgien anläßlich des 200. Jahrestages der Schlacht von Waterloo geprägt worden ist, sorgt für Zwist zwischen Belgien und seinem Nachbarn Frankreich. Frankreich hält die Münze für "ungünstig" und will, dass Belgien die Herausgabe annulliert. Auffallend ist jedoch, dass Frankreich am Fuße des Löwen selbst eine ähnliche Münze anbietet. Das belgische Finanzministerium hat inzwischen offiziell reagiert: Es will statt der 2-Euro-Münze eine reine Sammlermünze mit einem anderen Betrag herausbringen, z.B. eine 3-oder 5 Euro-Münze.

Länder, die Mitglied der Eurozone sind, haben die Möglichkeit, eine 2 Euro-Sondermünzen zu prägen, um einem bestimmten Ereignis oder einer bekannten Person zu gedenken.

Von dieser Möglichkeit hat Belgien Gebrauch gemacht und will anläßlich des 200. Jahrestages der Schlacht von Waterloo, bei der der französische Kaiser Napoleon Bonaparte eine schwere Niederlage erlitt, eine Sondermünze herausgeben. Belgien will mit der Münze dem historischen Ereignis gedenken.

Doch Frankreich findet die Münze "schädlich". So umschreibt das Nachbarland jedenfalls die Münze in einem Brief an den Europäischen Rat. "Die Schlacht von Waterloo ist ein Ereignis, das ins kollektive Gedächtnis gehört", ist zu lesen. "Es ist mehr als ein militärischer Konflikt."

"Münzen in Umlauf zu bringen, auf denen ein Symbol steht, das für einen Teil der europäischen Bevölkerung schädlich ist, halten wir für schädlich, insbesondere vor dem Hintergrund, da Regierungen der Eurozone die Einheit und die Zusammenarbeit in der Währungsunion versuchen, zu stärken." Frankreich bittet Belgien deshalb, die Münzen nicht in Umlauf zu bringen.

Münzen sind schon geprägt

Doch der Nationalbund öffentlicher Dienste in Belgien tobt. Die Königliche belgische Münzprägeanstalt hat bereits 180.000 Münzen geprägt und verpackt, heißt es beim Nationalbund.

Sie stünden kurz vor der Herausgabe. Einmal ganz abgesehen von den Kosten, wäre es unverantwortlich, diese Münzen zu vernichten. Gleichzeitig, ist man beim Nationalbund überzeugt, habe die Königliche belgische Prägeanstalt der französischen Forderung schon nachgegeben und die Münze werde nicht in Umlauf gebracht.

Waterloo-Münzen aus Paris

Doch dieses Streits nicht genug: Am Fuße des Löwen von Waterloo steht ein Automat, an dem sich Touristen selbst ein Münzsouvenir prägen können, eine Touristenmünze also. Diese Münzen (siehe Foto unten: Das Foto wurde vom Verband öffentlicher Dienste aufgenommen) werden jedoch keinesfalls von einer belgischen Einrichtung angeboten, sondern durch die....'Monnaie de Paris', dem französichen Pendant zur Königlichen Münzprägeanstalt.

Lösung: Andere Münze prägen

Inzwischen hat auch der Sprecher des Finanzministeriums, Francis Adyns, auf die Bitte der Franzosen, die Münze nicht herauszugeben, offiziell reagiert. Es werde eine andere Münze geprägt, hieß es.

"Eine Alternative wäre noch immer eine Gedenkmünze für Sammler, allerdings mit einem Nominalwert, der im normalen Geldumlauf nicht vorkommt: 3, 5 oder irgend ein anderer Wert. Der Preis und die Auflage können dann festgelegt werden. Es handelt sich also um ein ganz neues 'Kapitel'."

Frankreich könne dann nichts mehr dagegen einwenden, denn wenn es sich um eine 3 Euro oder 5 Euro-Münze oder eine Münze eines anderen Betrages handelt, dürfen sich die anderen Mitgliedstaaten nicht einmischen."