Kontrovers: Darf sich Außenminister als Farbiger verkleiden?

Darf sich der belgische Außenminister schwarz schminken, ohne dass er damit Afrika schockiert? Diese Frage stellt sich ein Journalist von France 2, nachdem der belgische Außenminister, Didier Reynders, als schwarzer Edelmann am "Noirauds"-Umzug in Brüssel teilnahm. Im Ausland versteht man nicht, was den Außenminister da geritten hat, aber Reynders selbst behauptet, nichts falsch gemacht zu haben und hat eine Erklärung für seine ungewöhnliche Verkleidung parat.

Es ist nicht das erste Mal, dass in Belgien kontrovers über eine Tradition diskutiert wird, bei der sich jemand schwarz schminkt, damit er wie ein Schwarzer aussieht, auch wenn dies für den guten Zweck ist. Die Diskussion über den Knecht Ruprecht, also den Zwartepiet, hatten wir in Belgien ja schon.

Jetzt hat France 2 mit einer Reportage über die "Noirauds", einer über 130 Jahre alten Brüsseler Tradition die Diskussion neu angefacht. Der Journalist, der die Reportage machte, twitterte nämlich seine Verwunderung über das Verhalten des Außenministers in diesem Zusammenhang heraus. Didier Reynders hatte sich ganz nach Tradition schwarz geschminkt, um Spendengelder zu sammeln.

Die “Noirauds” (die Schwarzen) sind Brüssels älteste Wohltätigkeitsvereinigung. Einmal im Jahr ziehen die Brüsseler Bürger schwarz angemalt und verkleidet für den guten Zweck durch die Restaurants in der Hauptstadt. Ihre Gesichter sind schwarz, um unerkannt zu bleiben, verteidigt sich der Außenminister auf seiner eigenen Webseite: "Diese Kollekte hat zum Ziel, die finanziellen und individuellen Nöte von Kindern zu mildern", schreibt Reynders. Ihm zufolge seien "Schwarze" oder "Noirauds" vermummt, um aufzufallen, aber gleichzeitig eben auch, um anonym zu bleiben.

Die Männer tragen einen weißen Hut und sind gekleidet wie die Herren der feinen afrikanischen Gesellschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In Belgien ist dieser Auftritt eine fest verankerte Tradition. Doch der französische Fernsehsender France 2 versteht nicht, warum ausgerechnet der Außenminister auch als Teilnehmer im Noiraud-Aufzug mitläuft. "Folklore, Wohltätigkeit und...Kolonialismus. Die Brüsseler angesehenen Bürger schminken sich und verkleiden sich als Afrikaner", hieß es im Tweet des Journalisten von France 2. Der Tweet ist auch Menschenrechtsorganisationen nicht entgangen, die sich fragten, ob Didier Reynders nach so einem Auftritt als Außenminister noch zu halten sei? Wouter Van Bellingen vom Minderheitenforum wirft ihm unter anderem Mangel an Empathie für farbige Mitmenschen vor. Für einen Außenminister gehöre sich das nicht, so Van Bellingen.

Es entfachte sich schnell eine Diskussion im Netz. Selbst die Schauspielerin Mia Farrow reagierte mit Abscheu auf das Verhalten von Reynders.

Doch Reynders ist weiter überzeugt: Was zähle sei doch, dass Geld für bedürftige Kinder eingesammelt worden sei. Außerdem gehöre der Aufzug nun einmal zum Brüsseler Folklore.