"Teurer Strom verjagt Industrie aus Belgien"

Für die belgischen Industrieunternehmen stellen die hohen Kosten für Elektrizität in unserem Land einen nicht zu vernachlässigenden Kostenpunkt dar. Für sie liegt die Stromrechnung um ein Vielfaches höher als in unseren Nachbarländern. Febeliec, der Verband der industriellen Energieverbraucher in Belgien, verglich die Strompreise in unserem Land mit denen in den Niederlande, in Deutschland und in Frankreich.

Im vergangenen Jahr lagen die Preise für Elektrizität, die die belgische Industrie verbrauchte, um 9 bis 47 % höher, als in den direkten Nachbarländern. Doch nach Ansicht von Febeliec wird sich die Situation im laufenden Jahr noch weiter verschlechtern. Inzwischen sei das Energie-Handicap in Belgien gegenüber Deutschlands, Frankreichs und den Niederlanden auf einen Unterschied von zwischen 27 und 73 %.

Der Marktpreis für Elektrizität in Belgien ist u.a. durch die Unsicherheit über die Zukunft der Kernkraftwerke und durch einen Mangel an Importkapazitäten auf das höchste Level dieser gesamten europäischen Region angestiegen. Zudem müssen die Unternehmen hierzulande auch mehr Steuern auf Energieverbrauch und höhere Transmissionskosten zahlen. Dabei liegen die Werte in Wallonien noch höher als in Flandern. Zu allem Überfluss, so Febeliec, werden kleinere Betriebe in dieser Hinsicht mehr benachteiligt, als Großunternehmen.

Febeliec fordert jetzt von der belgischen Bundesregierung die Einführung einer Energienorm als Referenz, an der sich die Energiekosten orientieren können. Damit soll der Wettbewerbsnachteil im industriellen Sektor gegenüber den direkten Nachbarländern abgebaut werden. Febeliec-Direktor Peter Claes läutet die Alarmglocken: „Wenn die betroffenen Regierungsinstanzen jetzt nicht schnell an einer Energienorm arbeiten, wird der Wettbewerbsnachteil dramatische Formen annehmen. Konkrete Vorschläge für eine solche Norm liegen vor. Jetzt noch zu zaudern bedeutet ein Spiel mit dem Feuer.“

Der Industrieverband befürchtet in absehbarer Zeit einen Wegzug von wichtigen Industrieunternehmen, die nicht nur im Energiebereich im Wettbewerb benachteiligt sind, sondern auch im Bereich der Lohnneben- und Arbeitskosten.

Höchster Stundenlohn Europas

Im vergangenen Jahr war Belgien laut EU-Statistikamt Eurostat lohnmäßig im Industriesektor das teuerste Land überhaupt. Im allgemeinen wirtschaftlichen Durchschnitt liegt das Lohnkosten-Niveau nur noch in Dänemark höher als in Belgien. Der durchschnittliche Stundenlohn in Europa lag 2014 bei 24,6 €. Auf Ebene der Europäischen Union lag er bei 29,2 €.

Und zwischen den einzelnen EU-Mitgliedsländern stellt Eurostat allgemein-wirtschaftlich auch weiterhin große Unterschiede fest: Dänemark mit 40,3 € auf Rang 1 gefolgt durch Belgien mit 39,1 € pro Stunde. Die niedrigsten Stundenlöhne wurden vergangenes Jahr in Bulgarien (3,8 €) und in Rumänien (4,6 €) gezahlt. Belgien blieb auch letztes Jahr Spitzenreiter in Sachen Stundenlöhne in der Industrie mit einem Durchschnittslohn von 44,1 € pro Stunde.