Brüssel: Neogotische Apotheke Delacre renoviert

Der Coudenberg , an dem auch das Musikinstrumenten-Museum (MIM) liegt, gehört zu den historischen und touristischen Aushängeschildern der belgischen Hauptstadt Brüssel. Jetzt ist der Coudenberg um eine neue (alte) Attraktion reicher, denn die neogotische Apotheke Delacre, ein Eckhaus zwischen Bozar und MIM, wird gerade renoviert.

Eigentlich verfügt der Coudenberg nur über fünf Gebäude. Die Apotheke Delacre ist eines davon. Das so genannte „Le Mortier d´Or“, so steht auf dem Giebel der wieder in altem Glanz erstrahlten als Apotheke, trägt nach alter Brüsseler Zählweise allerdings die Haunummern 64-66. Im neogotischen Stil 1898 von dem Architekten Paul Saintenoy für den französischen Apotheker Charles Delacre entworfen, weist eine weitere Inschrift auf dem Giebel auf die Funktion des Hauses hin: „Pharmacie anglaise Ch. Delacre“.

Der Name Delacre war schon damals für Schokolade bekannt und diese galt seinerzeit als eine Art präventive Medizin und wurde mit großem Erfolg an den Mann und die Frau gebracht. Deshalb galt so mancher Chocolatier als Apotheker und umgekehrt. Delacre betrieb schon seit 1870 eine Schokoladen-Boutique und seit 1981 eine Feinbäckerei für Schokokekse, die er in ganz Europa vertrieb.

Natürlich brauchte ein so erfolgreicher Geschäftsmann einen entsprechendes repräsentatives Haus und so erhielt Architekt Paul Saintenoy den Auftrag für den Bau des „Le Mortier d´Or“. Saintenoy war schon damals sehr mit dem Coudenberg beschäftigt und restaurierte dort bereits vor dem 1. Weltkrieg historische Gebäude und er war an der Erweiterung des Jugendstil-Kaufhauses „Old England“ beteiligt, das heute das Musikinstrumenten-Museum (MIM) beherbergt.

Restaurierung in vollem Gang

Gleich mehrere Unternehmen mit verschiedenster Fachkompetenz arbeiten seit einigen Jahren an der Restaurierung des Hauses. Die Fassade erstrahlt bereits wieder in altem Glanz und auch die einmalige Machart des Daches sowie Abdichtung des Balkons aus Blei sind wieder so, wie sie entworfen wurden. Ähnliche Konstruktionen gibt es in Belgien kaum noch. Nur das Dach des „Leroy-Hauses“ in der Brüsseler Grote Hertstraat hat eine solche Linienführung noch in der Hauptstadt.

Für die Rekonstruktion dieser Bestandsteile studierten die beteiligten Architekten und Restaurateure historische Fotos aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. An der Giebelreinigung, die auch Schmiedearbeiten, Zimmermannsarbeit an der Holzkonstruktion und die Wiederherstellung der Sonnenuhr und der eisernen Windfahne beinhaltete, wurde präzise und detailgetreu gearbeitet. Das Resultat lässt sich sehen.

Ein Glücksgriff für die Restaurierung ist die Tatsache, dass das historische Apotheken-Mobiliar noch vollständig erhalten ist. Allerdings braucht auch die Inneneinrichtung des Ladenlokals eine Frischzellenkur. Wer das alte und historisch wertvolle Geschäftslokal nutzen wird, steht noch nicht fest. Die Wohnungen, die in den oberen Stockwerken zu finden sein werden, dürfen allerdings heutigen modernen Standards entsprechen.

Vielleicht lässt sich ja dort ein Chocolatier nieder, um an die Anfänge des Schokoladen- und Keksgiganten Delacre zu erinnern, der sich heute übrigens in den Händen eines türkischen Unternehmens befindet und in der Nähe von Verviers (Provinz Lüttich) ein Werk betreibt.