99. Flandernrundfahrt in Brügge gestartet

Die Flandernrundfahrt ist der Höhepunkt der belgischen Radsport-Saison. Dieses Jahr ist es die 99. Auflage des 1913 erstmals ausgetragenen Rennens. Die ‚Ronde van Vlaanderen‘ gehört neben Mailand-Sanremo, Paris-Roubaix, Lüttich-Bastogne-Lüttich und der Lombardei-Rundfahrt zu den fünf Radsport-Monumenten. An der Strecke herrscht regelmäßig Volksfest-Stimmung mit mehreren hunderttausend Zuschauern. 68-mal gewann ein Belgier im radsportverrückten Flandern, die Rekordsieger des Rennens sind der Italiener Fiorenzo Magni, der Schweizer Cancellara sowie die Flamen Achiel Buysse, Johan Museeuw, Eric Leman und Tom Boonen mit jeweils drei Erfolgen.

2014 nahmen die Veranstalter einige Änderungen an der Strecke vor: Weniger lange flache Abschnitte und mehr Kopfsteinpflaster-Abschnitte innerhalb der letzten 100 Kilometer. Dieser Kurs wurde für 2015 beibehalten. Charakteristisch für den Klassiker sind die ‚Hellingen‘, die typischen kleinen, giftigen Anstiege in Flandern. 19 müssen in diesem Jahr überwunden werden.

264,2 Rennkilometer warten nach dem Startschuss auf dem Grote Markt in Brügge auf die Fahrer. Das Ziel liegt wieder in Oudenaarde auf der Minderbroedersstraat.

Eine Vorentscheidung könnte 16,7 Kilometer vor dem Ziel fallen, wenn der berüchtigte Oude Kwaremont mit bis zu 11,6 Prozent Steigung zum dritten und letzten Mal innerhalb des Rennens passiert wird. Kurz darauf geht es noch über den nur 360 Meter langen, aber bis zu 20,3 Prozent steilen Paterberg, eine echte Rampe, hinauf.

Die Favoriten


Wenn man über die Flandernrundfahrt spricht, fallen meist als erstes die Namen des Flamen Tom Boonen und des Schweizers Fabian Cancellara. Beide haben die Flandern-Rundfahrt dreimal gewonnen, fehlen aber dieses Jahr verletzungsbedingt: Boonen zog sich bei Paris-Nizza eine Schulterverletzung zu, Cancellara brach sich vor einer Woche beim E3 Harelbeke zwei Rückenwirbel. Damit ist das Rennen offen wie lange nicht mehr.

Cancellaras Teamkollege, der Flame Stijn Devolder ist der einzige ehemalige Sieger der Rennens, der in diesem Jahr am Start ist. Nach durchwachsenen Jahren hat sich der Belgier mit Gesamtplatz zwei bei den 'Drei Tagen von De Panne' gerade rechtzeitig wieder in den weiteren Kreis der Favoriten für die Flandern gebracht.

Stets zu den Favoriten bei den flämischen Klassikern muss die belgische Mannschaft Etixx-Quick Step gezählt werden. Auch ohne Boonen hat das Team von Patrick Lefevere genügend Sieganwärter in seinen Reihen. Traditionell spielen die Belgier bei ihrem Heimrennen stets eine gute Rolle. Van Avermaet, Sep Vanmarcke und Stijn Vandenbergh belegten 2014 die Plätze zwei bis vier und rechnen sich wieder etwas aus.

Beim Frühjahrsklassiker Mailand-Sanremo ist der Deutsche John Degenkolb (Foto) erstmals ein Sieg bei einem der fünf Radsport-Monumente gelungen. Damit zählt der Wahl-Frankfurter, dem die harten Eintagesrennen liegen, automatisch auch zum Favoritenkreis bei der Flandern-Rundfahrt.

Beste Aussichten dürften auch Niki Terpstra, vergangenes Jahr Sieger bei Paris-Roubaix, und Zdenek Stybar haben. In starker Form haben sich zuletzt außerdem der Norweger Alexander Kristoff und der Brite Geraint Thomas präsentiert.

AFP