Belgiens Verteidigung baut 4. Komponente auf

Das belgische Verteidigungssystem erhält neben den Landstreitkräften, der Marine und der Luftwaffe eine vierte Komponente hinzu: Die so genannte „Cyber-Komponente“. Dies betrifft alles, was mit der Sicherheit im Internet bzw. mit der Datenverarbeitung zu tun hat. Nicht zuletzt sollen die neuen Einheiten „Cyberangriffe“ verhindern oder gar damit drohen.
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In der strategischen Vision von Bundesverteidigungsminister Steven Vandeput (N-VA - kl. Foto) nimmt die Cyberkomponente eine prominente Rolle ein. Die entsprechenden Pläne gehen viel weiter als die Sicherheit im Internet oder im Bereich Datenverarbeitung. Sie betreffen auch das Verhindern von Cyberattacken und beinhalten nicht zuletzt auch die Drohung, selbst Cyberangriffe durchzuführen. Nach Ansicht unseres VRT-Verteidigungsspezialisten Jens Franssen ist die Möglichkeit, mit solchen Angriffen drohen zu können, „die beste Verteidigung“.

Es braucht dazu die in dieser Hinsicht die passend ausgebildeten Leute. In dem Vorhaben soll zum Beispiel der militärische Abschirmdienst der Armee eine größere Rolle spielen. Zudem denkt Verteidigungsminister Vandeput auch an den Einsatz von allerlei unbemannten Flugzeugen, z.B. Drohnen, um Spionageaufträge auszuführen oder um die Bewachung von Objekten zu gewährleisten.

Natürlich muss jeder auch noch so ambitionierte Plan finanziert werden. Und genau da drückt der Schuh, so Jens Franssen. Ab 2019 sollen die Mittel für die Verteidigung laut Minister Vandeput erhöht werden, doch in den vergangenen Jahren ist keines der großen Vorhaben auf Ebene der Armee umgesetzt worden, weil jedes Mal die Finanzen fehlten. Stimmt die Regierung den Plänen Vandeputs zu, dann kommen die entsprechenden Kosten ohnehin auf die nächste Koalition zu.

Auf die Nato setzen

Im strategischen Plan von Verteidigungsminister Vandeput steht auch, dass die belgische Armee in bestimmten Bereichen noch enger an die Nato rücken soll. Z.B. an den Ostgrenzen der Europäischen Union müsse man gemeinsam mit der Nato auf eine kollektive Verteidigung setzen. Hier könne Belgien seine F-16-Kampfbomber eine wichtigere Rolle spielen lassen.

Wie sensibel dieses Thema ist, konnte übrigens Belgiens Außenminister Didier Reynders (MR) erfahren. Bei einem Treffen mit seinem Amtskollegen Nikola Poposki in Skopje (Foto), der Hauptstadt von Mazedonien, erinnerte dieser daran, wie wichtig die EU und die Nato für sein Land sind. Poposki hofft, dass ihn Belgien bei seinem Drängen um Aufnahme in beiden Gremien unterstützt. Selbst in einem Balkanstaat, wie Mazedonien, sorgt das Machtgehabe Russlands für neue Ängste.

Doch auch im Süden Europas müssen Brände gelöscht werden, so Vandeput. Klimawandel, die Flüchtlings- und Migrationspolitik, versagende Staatsstrukturen, wie z.B. in Libyen, verlangen eine internationale Herangehensweise. Hier will Belgien auf seine flexiblen Landstreitkräfte und auf Special Forces setzen.