Bessere Hilfe für Opfer von Vergewaltigungen

Belgiens Staatssekretärin für Chancengleichheit, Elke Sleurs (N-VA), will, dass Opfern von sexueller Gewalt besser und schneller geholfen wird. Dies soll Opfern von Vergewaltigern auch die Hemmschwelle nehmen, ihre Peiniger anzuzeigen. Der Vergewaltigungsvorwurf gegen einen Ex-Politiker, der sich in der vergangenen Woche das Leben genommen hatte, löste zu diesem Thema eine Welle von Diskussionen und Kommentaren aus.

Opfern von sexueller Gewalt soll effektiver geholfen werden. Elke Sleurs (N-VA - kl. Foto), Belgiens Staatssekretärin für Chancengleichheit, will mehr Mittel für direkte psychologische Hilfe von Seiten von Fachleuten freimachen. Die Tatsache, dass Vergewaltigungsopfern von staatlicher Seite her direkt geholfen werden soll, soll ihnen die Hemmschwelle nehmen, die Täter rasch bei der Polizei anzuzeigen, wie Sleurs am Mittwochmorgen gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion sagte:

„Ich bin der Ansicht, dass es nötig ist, auch das Wissen der helfenden Fachkräfte in dieser Hinsicht zu verbessern. Das geht von Polizisten über Psychologen bis hin zu Sozialhelfern und den Ärzten, die die Frauen auffangen. Jeder tut bereits sein bestes, doch wir müssen das Fachwissen konzentrieren und eine multidisziplinäre Angelegenheit daraus machen. Bestes Beispiel ist die Universitätsklinik von Gent, wo sich nicht nur die Ärzte mit dem Thema befassen, sondern auch die anschließenden spezifischen Konsultationen auf Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden, ausgerichtet wurden.“

Studien haben erwiesen, dass nur etwa jede 10. Vergewaltigung in Belgien tatsächlich angezeigt wird. Die Möglichkeit, Vergewaltiger anzuzeigen, soll auch vereinfacht werden.

Wann soll eine Vergewaltigung angezeigt werden?

Auslöser der Vorgehensweise von Chancengleichheits-Staatssekretärin Sleurs ist der Fall des Freitods des früheren führenden flämischen Sozialisten und Ex-Provinzgouverneur von Limburg, Steve Stevaert (S.PA). Ihm stand ein Verfahren wegen Vergewaltigung bevor, weil ihn sein vermeintliches Opfer drei Jahre nach der Tat angezeigt hatte.

Diese lange Zeitspanne, die das Opfer brauchte, um ihre Vergewaltigung zur Anzeige zu bringen, sorgte in den vergangenen Tagen für Schlagzeilen und Diskussionen, zumal Willem Elias, Professor für Psychologie der Freien Universität Brüssel (VUB - kl. Foto), daraufhin das Opfer Stevaerts über Twitter heftig kritisierte: „An die Dame, die diese Entscheidung auf dem Gewissen hat. Wer vergewaltigt wird, der geht sofort zur Polizei, vielleicht am Tag danach. Aber keine drei Jahre später…“

Diese Twitter-Nachricht des Professors löste einiges aus. Unter anderem veröffentlichte eine junge Frau ein YouTube-Video, in dem sie auf dessen Kritik scharf reagierte, in dem sie erzählte, warum auch sie erst drei Jahre nach ihrer Vergewaltigung zur Polizei gegangen sei, um ihr Opfer - ihr Ex-Freund - anzuzeigen. Sie gab an, dass ihr aus ihrem direkten Umfeld niemand geglaubt habe und dass sie sich deshalb die Frage stellte, ob ihr die Polizei denn überhaupt Glauben schenken würde.

Abmahnung

Der VUB-Professor, übrigens ein Freund von Steve Stevaert, wurde von seinem Arbeitgeber inzwischen abgemahnt und entschuldigte sich mittlerweile bei den Opfern sexueller Gewalt. Erst jetzt wurde übrigens bekannt, dass sich der Psychologe Elias in den sozialen Netzwerken schon öfter herablassend über Frauen geäußert hatte. Der Mann legt im September sein Amt nieder.