Klimawandel: Ist Belgiens Küste in Gefahr?

Wissenschaftlichen Studien zufolge steigt der Meeresspiegel der Nordsee bis 2100 um rund einen Meter. Das bedeutet für die belgische Nordseeküste lokal Überflutungsgefahr. Eine Gruppe Wissenschaftler hat sich mit dem Thema beschäftigt und vier mögliche Szenarien ausgearbeitet. Damit soll auch eine Debatte zum Thema Klimawandel und die Auswirkungen für unser Land entfacht werden.

Die vier ausgearbeiteten Szenarien zur Sicherung der belgischen Nordseeküste sind sehr unterschiedlich ausgeführt und haben eigentlich nur einen Punkt gemeinsam und zwar die Aussage, dass etwas unternommen werden muss. Die Wissenschaftler warnen und fordern, dass klare Entscheidungen getroffen werden müssen, die die gesamte Küste von De Panne bis Knokke betreffen.

Bisher werde hier mal etwas unternommen und da mal was geplant, doch konkret sei bisher kaum eines der Vorhaben, so die Warnung von Flanderns offiziellem Baumeister Stefan Devoldere in einem Beitrag in der flämischen Tageszeitung De Standaard dazu.

Alle vier Konzepte gehen davon aus, dass die Polder entlang der Nordseeküste eine wichtige Rolle beim Auffangen von Seewasser spielen müssen. Eines der möglichen Szenarien ist eine Idee, die im belgischen Bundesland Flandern schon jetzt für Diskussionen sorgt. Hier wird die Nordseeküste in zwei Teile aufgeteilt: Ostküste und Westküste.

Die Ostküste zwischen Ostende über Zeebrügge bis hin nach Knokke soll ein städtisches Gebiet werden, denn sie umfasst den bebauten Gürtel entlang der Küste und sie liegt an den höchsten Punkten der Nordseeküste in Belgien, ist also weniger überflutungsgefährdet. Die Wissenschaftler vergleichen dies mit der urbanen Metropol-Region Rotterdam-Den Haag in den Niederlanden.

Polderlandschaften

Die Westküste hingegen ist mit De Panne als bekanntestem Ort am wenigsten bebaut und soll zu einem Naturgebiet werden, zu einer Region also, die bei Hochwasser geflutet werden könnte. Das bedeutet allerdings nicht, dass Orte wie Middelkerke, Veurne oder Koksijde den Fluten geopfert werden sollen.

Architekt Joachim Declerck vergleicht die Region und die Idee hinter dem geplanten Konzept mit der der Somme-Bucht in Nordfrankreich.

Dort wurde angesichts der steigenden Meeresspiegel nicht nur die Seeseite in Betracht gezogen, sondern auch das Hinterland. Ganze Regionen wurden zum Naturgebiet umgewandelt. Dort darf nicht mehr gebaut werden. Inzwischen ist dies ein touristisch sehr wichtiges Gebiet geworden, wo man Urlaub am Stand und auch in der Natur des Hinterlandes machen kann. Auf großartige Kunstbauten zum Zurückhalten der Fluten hat man hier verzichtet.

Nur die bisher bestehenden traditionsreichen Ortschaften wurden abgesichert und würden bei Hochwasser zu Inseln oder Polderorten. Probleme bietet in diesem Fall allerdings die Landwirtschaft, die sich örtlich völlig umstellen müsste.

Mehr als nur Küste und Hinterland

Doch sollte man nach Ansicht der Wissenschaftler, die im Auftrag der Abteilung Raumordnung und öffentliche Arbeiten sowie der Abteilung Maritime Dienstleistung des flämischen Landesregierung und des offiziellen flämischen Baumeisters Stefan Devoldere arbeiteten, nicht die Ijzer-Mündung und der Lauf des Flusses Ijzer vergessen werden.

Die Ijzer muss in den kommenden Jahrzehnten immer mehr Seewasser aufnehmen. Das bedeutet, dass bei steigendem Nordseespiegel bei weitem nicht nur der 67 km breite Küstenstreifen und das Hinterland betroffen sein werden, sondern auch weite Teile des west- und ostflämischen Inlands.