Prinz Laurent: “Stasi”-Vorwurf gegen den Palast

Prinz Laurent, der Bruder von König Philippe, hat Mitglieder der königlichen Familie in einem Pressegespräch mit der Stasi verglichen. Namentlich König Baudouin und Königin Fabiola hätten ihn in seiner Entwicklung behindert. Er habe jetzt den Eindruck, so Laurent, dass sein Bruder ähnlich mit ihm umgehen wolle.

Prinz Laurent (51) macht seinem Titel „Enfant Terrible des Königshauses“ wieder alle Ehre. In einem Telefoninterview mit unseren Kollegen des frankophonen Rundfunks RTBF sagte er, dass sein Vater, Belgiens früherer König Albert II. und dessen Vorgänger und Bruder König Baudouin und dessen Gemahlin, Königin Fabiola, regelrechte „Stasi-Methoden“ angewendet hätten, um ihn in seiner Arbeit zu behindern. Vor allem der langjährige Kabinettchef des Königs, Jacques Van Ypersele de Strihou, habe alles getan, um ihm zu schaden.

„Meine Familie hat mich niemals unterstützt. Es begann mit meinem Onkel, König Baudouin, und danach kam mein Vater, Albert II. Mit ihnen war es wie bei der Stasi. Heute habe ich den Eindruck, dass das mit meinem Bruder, König Pgilippe, so weitergeht.. Ihr Fehler ist, dass sie eine Entourage akzeptiert haben, die mich beschädigen und an meiner Arbeit hindern will“, so Laurent gegenüber der RTBF.

Derzeit, nach langen Konflikten mit seinen Eltern, König Albert II. und Königin Paola, hat ihn der Königspalast wieder mit Aufgaben betraut. Prinz Laurent vertritt seinen Bruder, König Philippe, bei Galas oder bei gesellschaftlichen Ereignissen und er übernahm erst kürzlich ein Amt als Sonderbotschafter für den Bereich Ernährung und Landwirtschaft bei den Vereinten Nationen. Und doch fühlt er sich benachteiligt. Für König Philippe ist der „Stasi“-Vorwurf seines Bruders gegen den Palast und gegen die königliche Familie ein schwerer Schlag. Schließlich war die „Stasi“ der staatliche Sicherheitsdienst der kommunistischen Diktatur in der ehemaligen DDR.

Vertrauen

Doch eine offizielle Reaktion von Seiten des Palastes liegt nicht vor. Allerdings zeigt man sich dort hinter vorgehaltener Hand überrascht und verständnislos. Schon am Donnerstagabend, also kurz nach der RTBF-Sendung, in der das Interview im Radio ausgestrahlt wurde, hieß es aus dem Palast, dass man an der Zusammenarbeit mit Prinz Laurent festhalte, denn König Philippe habe vollstes Vertrauen zu seinem Bruder.