Dioxinkrise 1999: Die Folgen unterschätzt?

Die Dioxinkrise des Jahres 1999 in Belgien könnte schwerwiegendere Folgen für die Gesundheit der Menschen gehabt haben, als damals erwartet. Ein Professor und Krebsspezialist der Universität Gent hat die entsprechenden Statistiken der Gesundheitsbehörden 15 Jahre nach dem Vorfall analysiert und Vermutungen angestellt.

Nach den Erhebungen von Professor Nik Van Larebeke (UGent) könnte die Dioxinkrise des Jahres 1999 (siehe unten) bis heute schwerwiegendere Formen angenommen haben, als bisher gedacht. Van Larebeke geht davon aus, dass es in der Zeit nach dem Ausbruch der Krise mit dioxinhaltigen Verseuchungen von Viehfutter bis heute zu rund 20.000 Krebserkrankungen bei Frauen in Belgien gekommen sein könnte.

Professor Van Larebeke, Krebsspezialist an der Uni Gent, analysierte die Werte vor und nach der Krise: „Das Krebsrisiko bei Frauen ist als Folge der (Schadstoff)Konzentrationen um knapp 2 % angestiegen, wie wir auf Basis der Zahlen vor und nach dem Ausbruch der Krise herausfanden. Durch die konzentrierte Verbindung von PCB und Dioxinen stiegen bei Frauen und Männern auch Diabetes um 2,5 % und Bluthochdruck um 0,9 %.“

Van Larebeke stellte vergleichende Berechnungen auf Basis des statistischen Zahlenmaterials der belgischen Gesundheitsbehörden an. Allerdings, so der Professor gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion ist es schwierig, tatsächlich einen direkten Link zwischen der Dioxinkrise 1999 und seither leicht angestiegenen Krebsstatistiken zu legen.

Rückblick: Die Dioxinkrise 1999

Anfang 1999 brach in Belgien ein großer Lebensmittelskandal aus. In der Fettschmelzerei Verkest war unter anderem Öl aus Transformatoren in Fette gelangt, die zur Herstellung von Viehfutter genutzt wurden. Dadurch fand das verseuchte Fett seinen Weg in die Lebensmittelkette.

Danach mussten riesige Mengen an Milchprodukten und Hühnerfleisch aus dem Handel genommen und vernichtet werden. Zwar wurde danach vermeintlich deutlich, dass das Dioxin in den Lebensmitteln zu keiner Zeit eine Gefahr für die Verbraucher dargestellt hatte, doch das Image der belgischen Nahrungsmittelindustrie erlitt einen schweren Schaden.

Die Dioxinkrise führte unter anderem zur Gründung der Bundesagentur für Lebensmittelsicherheit (FAVV) in Belgien und hatte auch auf die Politik einen unerwarteten Einfluss. Die Krise brach mitten im Parlaments-Wahlkampf des Jahres 1999 aus und führte zur Abwahl der flämischen Christdemokraten CVP (heute CD&V) des damaligen Premierministers Jean-Luc Dehaene aus der Regierung. Zuvor mussten die damaligen Bundesminister für Landwirtschaft und Volksgesundheit ihren Rücktritt erklären.

Die CVP musste seinerzeit zum ersten Mal seit den 1950er Jahren auf die Oppositionsbank rücken. Die Wähler warfen den damals verantwortlichen Politikern Untätigkeit und Unfähigkeit vor. Nach den Wahlen bildete eine Mehrheit aus Liberalen, Sozialisten und Grüne die so genannte Regenbogen-Koalition, die auch als Regierung Verhofstadt I. in die Geschichte einging.